2010
2009
2008
2006
2005
2004
zum Seitenanfang
2003
2002
Ein Team des WDR-Fernsehens dreht derzeit ein Feature über Nottuln und seine Jugendherberge. Hochwillkommen war dabei natürlich das Landesjugendorchester NRW, das zur Zeit seine Frankreichtournée in Nottuln vorbereitet.
Landesjugendorchester NRW fährt zum Festival
Seit Mittwoch werden Jugendherberge und Schulzentrum wieder vom Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen genutzt. Das 60köpfige Orchester bereitet sich auf die Teilnahme am zweiwöchigen Festival „Les Musicales de Grillon“ in der Enclave des Papes vor. Mit dabei das LJO-Bläserquintett LUNA, das in Nottuln von Professor André Sebald auf seine Festivalteilnahme vorbereitet wird. 10 von 14 Konzerten im Rahmen des Festivals werden von den jungen Musikern des LJO NRW bestritten, darunter 5 Bläserquintettkonzerte, drei sinfonische Konzerte und 2 Oratorienkonzerte.
Unter der Leitung des Kölner Dirigenten Alvaro Palmen stehen auf dem Programm des sinfonischen Konzerts die Feuerwerksmusik in einer Bearbeitung für Bläser, ein Flötenkonzert von Philipp Emmanuel Bach sowie die Streicherserenade von Tschaikowsky.
Im Oratorienprogramm werden u.a. das „Stabat Mater“ von Verdi und das „Gloria“ von Poulenc aufgeführt werden.
Gleich der erste solistische Einsatz von Horn und Klarinette ließ aufhorchen: traumhaft sicher angeblasen wie von längst nicht jedem Profi-Orchester. Profis sind sie zwar noch nicht, die 14- bis 22-jährigen Mitglieder des Landesjugendorchesters NRW, aber sie beherrschen ihre Instrumente exzellent und lassen sich von ihrem Dirigenten Hubert Buchberger immer wieder zu beeindruckendem Ensemblegeist zusammenführen. Auch beim jüngsten Konzert in der Philharmonie.
Einen Vollprofi hatte das LJO dabei mit dem 1979 in Budapest geborenen Solisten Kristóf Baráti an seiner Seite, der so gar nicht an einen feurig-schmachtenden ungarischen Teufelsgeiger erinnern wollte. Schlank und fein vibrierend zog er seine melodischen Bahnen in Beethovens Violinkonzert und zeichnete Läufe und Figuren mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Seine Virtuosität bis in die Intonation der mehrstimmigen Passagen war bestaunenswert, attitüdenfrei, aber eben auch eher glatt als anrührend, während das Orchester deftig zupacken durfte.
Überzeugender wirkte das LJO in den sinfonischen Rahmenstücken abseits ausgetretener Repertoirewege. Zoltán Kodálys farbschillernde „Tänze aus Galánta" wusste das Orchester mit geschärftem rhythmischem Bewusstsein und hoher Bläserpräsenz zu nehmen, reagierte auf Tempowechsel und Verzögerungen minuziös.
Und von Tschaikowsky hörte man mal nicht die Fünfte, sondern die „Suite caractéristique", die eher karikierende Kunst als überschwappende Seelenschau erfordert. Da zeigte sich der Landesnachwuchs zu Buchbergers drahtigem Dirigat musizierfreudig, durchsichtig, voller Elan. Strawinskys elefantöse „Zirkuspolka" als Zugabe setzte dem noch das Sahnehäubchen auf.
28.10.2009 / Lokalausgabe Essen, Klaus Albrecht
© 2009 WAZ NewMedia GmbH & Co. KG
Olfen. Für die 80 jungen Musiker des Landesjugendorchesters NRW beginnt in dieser Woche der Höhepunkt ihrer Sommerferien.
In Gruppen- und Tuttiproben studieren sie ein anspruchsvolles Konzertprogramm ein, das am Donnerstag, 13. August, um 19.30 Uhr im Forum der Gesamtschule in Olfen präsentiert wird.
In täglich acht bis zehn Stunden wird zuerst in den einzelne Stimmen mit Dozenten geprobt, die selbst über langjährige Erfahrung im Orchesterspiel verfügen. Unter der Leitung des Frankfurter Dirigenten Hubert Buchberger werden dann im Gesamtorchester die Werke zusammengeführt. Anschließend ermöglicht der WDR dem Musikern, im Studio in Köln das Programm aufzunehmen und eine CD zu produzieren.
An diese Vorbereitung, die WDR-Aufnahme und das Konzert in Olfen schließt sich in den Herbstferien eine Konzertreise nach Bayern, Tschechien, Kroatien und Ungarn an.
Das Landesjugendorchester NRW besteht aus jungen Nachwuchstalenten im Alter von 14 bis 22 Jahren, die ihr musikalisches Können bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“, in Auswahlorchestern oder Probespielen unter Beweis gestellt haben.
1969 gegründet, hat sich das Landesjugendorchester in Nordrhein-Westfalen, in ganz Deutschland, aber auch schon im Ausland durch die ausgezeichnete Qualität und die erstaunliche Professionalität der jungen Künstler einen Namen gemacht.
Das Landesjugendorchester gastiert auch in Marl. Und zwar im Rahmen des Europäischen Klassikfestivals Ruhr am 16. August um 17 Uhr im Yehudi Menuhin-Forum (Am Alten Pütt). Solist ist Georg Sarkisjan an der Violine. Karten: 11 bis 19 Euro unter 02365 5 03 55 00 oder unter www.ticketsbycall.dett
Erarbeitet wird abwechslungsreiches Konzertprogramm mit einem Schwerpunkt in der osteuropäischen und russischen Musik: Auf Zoltan Kodalys Taenzen aus Galanta, in denen der Komponist Klangeindrücke einer Zigeunerkapelle und Melodien aus seiner Kindheit im ungarischen Galanta einbaut, folgt Ludwig van Beethovens Konzert für Violine und Orchester op. 61. Solist wird der junge lettische Geiger Georg Sarkisjan sein. Obwohl erst 23 Jahre alt, hat er bereits zahlreiche Preise, sowohl in seiner Heimat als auch international gewonnen. Er studiert an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.
Nach der Pause erklingt zuerst die Circus-Polka des russischen Komponisten Igor Strawinsky, die er ironischer Weise für einen „jungen Elefanten“ geschrieben hat. Darauf folgt als Hauptwerk die Suite characteristique von Peter Tschaikowsky. In diesem anspruchsvollen Werk reihen sich fünf Tänze unterschiedlichen Charakters aneinander.
Kartenvorbestellung sind möglich bei Irmgard Bartelt in Olfen, 02595 5360. Sie kosten 15 Euro, Kinder, Jugendliche und Studenten sind für zehn Euro dabei.
aus: WAZ - Städte vom 06.08.2009, Georg Bockey
Landesjugendorchester in der Philharmonie
Rot und purpurblau, gold und violett mit goldenen und weißen Streifen: Die Attribute, mit denen Olivier Messiaen die Musik zu seinem Oratorium "La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ" beschrieben hat, sind wahrlich fantasievoll. Wer die seltene Gabe der Synästhesie wie Messiaen besitzt - also Farben und Töne in Zusammenhang zu bringen -, hatte besondere Freude an dem spektakulären Konzert des Landesjugendorchesters in der Philharmonie.
Schon 2006 reifte beim LJO die Idee, zum Messiaen-Jahr 2008 (der Komponist würde im Dezember 100 Jahre alt werden) die "Verklärung unseres Herrn Jesus Christus" aufzuführen. Es ist das bislang größte der jährlichen Projekte des Orchesters und erforderte weitreichende Kooperationen: mit dem Oratorienchor der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, mit dem Mädchenchor am Essener Dom sowie mit dem jungen Schlagzeugensemble "Splash" des Landesmusikrates. Die Initiative zur Aufführung kam von Raimund Wippermann, der am Pult stand und 215 junge Musiker konzentriert durch das schwierige Werk führte.
Die Verklärung Jesu Christi, von der im 17. Kapitel des Matthäusevangeliums erzählt wird, ist ein Auferstehungsversprechen. Auf einem Berg erscheint Jesus seinen Jüngern als Lichtgestalt. Diese Vorgabe entfachte die Fantasie Messiaens. In zwei Mal sieben Sätzen komponierte er eine knapp zweistündige Meditation über dieses Ereignis und fügte weitere religiöse Texte bei. Die Musik ist "typisch Messiaen". Blockweise wallt die oft archaisch und ritualhaft wirkende Komposition voran, in instrumentale Form gebrachte Vogelstimmen durchdringen die gleißend farbige Partitur.
Das Landesjugendorchester und andere Mitwirkende wussten gewaltige Klangmassen zu entfalten, schillernd, präzise, wohl ausbalanciert. In der "Verklärung" übernehmen auch Soloinstrumente besondere Aufgaben. Und so ernteten auch Jana Cuske, Albert Galimzanov, Chi-ho Choi und Soomija Park begeisterten Beifall.
Am 23. Februar ist Messiaens Werk beim WDR in Köln zu hören (Live-Übertragung auf WDR 3).
Aus: WAZ Essen vom 18.02.2008, Von Markus Bruderreck


großes Bild, 0,25 mb ...
zum Seitenanfang
großes Bild, 0,35 mb ...

großes Bild, 1 mb ...


„Hin und wieder sind neue Wege erforderlich,“ so Hans Josef Menke, Gründer und Leiter des Landesjugendorchesters NRW. Die Rede ist von dem Auswahlverfahren, mit dem das Landesjugendorchester NRW seine Teilnehmer aussucht. Bisher konnten die Preisträger des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ ohne Probespiel in das LJO NRW aufgenommen werden. Die erste Arbeitsphase galt dabei als Probephase. Alle übrigen Teilnehmer mussten ein Probespiel absolvieren, das mehrmals im Jahr in verschiedenen Städten des Landes stattfand. „ Bei einer Vorspielzeit von etwa 10 -15 Minuten ist die Beurteilungsbreite äußerst begrenzt. Eine wirklich sichere Aussage über den Erfolg eines jungen Musikers im LJO ist dabei nur schwer möglich,“ urteilt Professor Hubert Buchberger, ständiger Dirigent des LJO und künstlerischer Leiter des derzeitigen Projekts in Nottuln.
„Wir haben deshalb gemeinsam mit dem Landesverband der Musikschulen in NRW ein Auswahlorchester gebildet, in dem vom 6.-8. Januar 2006 insgesamt 91 jungen Musiker im Durchschnittsalter von 15,7 Jahren mit 8 Assistenten, einem Dirigenten und 5 pädagogisch-organisatorischen Mitarbeitern drei sinfonische Werke erarbeitet haben“, so Menke in seinen weiteren Ausführungen. Am Ende wurde dann vom 9köpfigen künstlerischen Mitarbeiterstab entschieden, wer sofort, wer erst später oder möglicherweise auch gar nicht für das LJO geeignet ist. Volker Buchloh, Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen in NRW, ist sicher, dass dieses Verfahren ein viel besseres Bild des Leistungsvermögens der einzelnen Kandidaten bietet.
Mit 91 Teilnehmern aus allen Teilen des Landes NRW in einer vollen, ausgewogenen sinfonischen Besetzung war das Projekt überaus erfolgreich. Insgesamt 44 Teilnehmer können sofort in das LJO aufgenommen werden. 26 werden zeitnah einer weiteren Förderung zugeführt und nur 18 Teilnehmer mussten aus unterschiedlichen Gründen erst einmal vertröstet werden. 3 Teilnehmer waren bereits Mitglied des Landesjugendorchesters und nahmen beim Projekt Stimmführeraufgaben wahr.
Das Pilotprojekt wurde gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes NRW.
Pressemitteilung vom 09.01.2006
Von Christoph Dittmann
Mit dem Landesjugendorchester besitzt Nordrhein-Westfalen ein Nachwuchsensemble allererster Güte.
Das war beim Philharmonie-Konzert "60 Jahre Kriegsende" in eindrucksvoller Weise zu erleben. Wer die großartige Darbietung von Dirigent Hubert Buchberger und seinen jungen Musikern im Alfred Krupp Saal verfolgen konnte, wird sich mit dem Etikett "Nachwuchs" allerdings schwer tun. Denn das war viel mehr als nur eine Präsentation talentierter Instrumentalisten.
Mit welcher Leidenschaft das Orchester die Leningrader Sinfonie von Schostakowitsch spielte, war wirklich atemberaubend und dürfte den meisten Zuhörern eine richtige Gänsehaut verschafft haben. Hoch motiviert und ohne übertriebenen Respekt vor den riesigen Ausmaßen gingen die Musiker das monumentale Jahrhundertwerk bemerkenswert forsch an und erzielten damit eine fantastische Wirkung.
Viele schöne Momente gab es auch in den beiden Auftaktwerken, sowohl in Artur Honeggers Sinfonie Nr. 2 wie in Hanns Eislers Winterschlacht-Suite. Moderator Christian Schruff, der auch die Sprechtexte in Eislers Suite vortrug, brachte dem Publikum die Zusammenhänge prägnant und nicht zu ausschweifend näher.
Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ zudem die Rede des Landtags-Vizepräsidenten Dr. Helmut Linssen. Er betonte, dass "Frieden bei der Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen" beginnt.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Essen, 10.05.2005
Von Ulrich Schreiber
In ein breit strömendes Sommerlied mischt sich von fern leiser Wirbel der kleinen Trommel. Dann erhebt sich in den hohen Streichern, gestrichen, gezupft und mit dem Bogenholz geklopft, ein banales, von Pausen durchsetztes Thema. In seiner siebten Synphonie, geschrieben 1941 / 42 während der Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht, hat Dmitri Schostakowitsch die erste Hälfte des Themas dem Musikgeschmack Stalins, die zweite Hitler über dessen Operetten – Lieblingskomponisten Lehár zugeordnet. Sie ist Danilos Couplet „Da geh´ ich zu Maxim“ aus der „Lustigen Witwe“ entnommen.
Aus diesem Thema entwickelt sich in elf Minuten durch mechanische Wiederholung bei zunehmender Lautstärke das höllische Klangbild einer alles zermalmenden Kriegsmaschinerie. Nach dem Höhepunkt wütet sie noch weitere vier Minuten. Im Kalten Krieg wurde es in der westlichen Hemisphäre üblich, darüber die ästhetisch gepuderte Nase zu rümpfen. Umso mehr Dank gebührt dem Landesjugendorchester NRW, das die fast achtzig Minuten dauernde Kolosalsymphonie in der Tonhalle einem tief beeindruckten Publikum bot.
Die "Leningrader“ verlangt den Spielern das Äußerste ab. Schon die riesige, in der Tonhalle bis hinter das Podium verteilte Besetzung zu realisieren, ist eine Leistung. Und was die von Hubert Buchberger mit einem Maximum an Aufmerksamkeit und Engagement geleiteten jungen Musikern, im Austausch verstärkt durch eine fabelhafte achtzehnköpfige Streichergruppe aus Russland, boten, war phänomenal. Ihre Kunst der Übergänge und Schattierungen gab Hoffnung auf das Überleben des abendländischen Musikerbes. Gibt es dafür in Düsseldorf nicht mehr Interessenten?
Die mehr als zwei Stunden reiner Musikzeit des Konzerts waren aller Anstrengung für erwachsene Hörer wert. Zuerst boten die von Buchberger feinsinnig dirigierten Streicher Arthur Honeggers Zweite Symphonie: ebenfalls ein Ausdruck des Leidens am Zweiten Weltkrieg. Es mündet in einen Trostchoral, wunderschön von einem ungenannten Trompeter geblasen. Außerdem gab es, kompetent von Álvaro Palmen dirigiert, Hans Eislers prägnante Konzertsuite nach seiner Bühnenmusik zu Johannes R. Bechers Drama „Winterschlacht“ über das Scheitern der Wehrmacht vor Moskau.
Die beiden Autoren der DDR – Nationalhymne standen wie Schostakowitschs Leningrader Symphonie hierzulande lange unter dem Verdacht reiner Polit – Propaganda; Bechers Drama hat erst Frank – Patrick Steckel 1988 im Bochumer Schauspielhaus als humanistisches Bekenntnis rehabilitiert.
Erfreulicherweise wurden in Eislers Suite nicht die drei Melodramen unterschlagen und wie die präsentationslose Moderation des Abends von Christian Schruff sachgerecht gesprochen: “Das ist die wahre Soldatenehre, dass keine Gewalt noch Herrschaft den edlen und freien Mann zwingen kann, das Schändliche oder Unrecht zu tun oder tun zu helfen.“ Das könnte auch von Schiller sein.
Rheinische Post / Düsseldorfer Kultur vom 10. Januar 2005
Landesjugendorchester Nordrhein – Westfalen altbekannter Gast in Nottuln
N o t t u l n. Mehr als einmal gefror einem an diesem Abend das Blut in den Adern, stellte sich der ganz unmittelbar der Gänsehaut – Effekt ein – deutliche Zeichen für eine tief berührende Wirkung, die vom Geschehen auf dem Konzertpodium ausging. Urheber: das Landesjugendorchester Nordrhein – Westfalen. Altbekannte Gäste in Nottuln, die auch im frisch begonnenen neuen Jahr ihr aktuelles Konzertprojekt erarbeitet und wie immer hier vor Ort zum Stapellauf gebracht haben – Freitagabend in der Mehrzweckhalle des Gymnasiums.
Fast bekommt man den Eindruck, dieses fabelhafte Ensemble aus begabten Nachwuchmusikerinnen und – musikern überbiete sich mit seinen Leistungen Jahr für Jahr. Denn Dmitri Schostakowitschs „ Leningrader „, die Sinfonie Nr. 7 aus dem Jahr 1942, muss so, wie dieser absolut“ dicke Brocken“ hier bewältigt wurde, ganz gewiss zu den Höhepunkten der bisherigen Arbeit des Orchesters gerechnet werden. Dirigent Hubert Buchberger schöpfte aus dem Vollen, forderte viel und bekam ein Höchstmaß an Energie und Aufmerksamkeit, an Temperament, Kraft zur Konzentration und feinfühliger Klangsinnlichkeit.
Das alles ist unabdingbar für Schostakowitsch schilernde, vielschichtige Riesenpartitur, im Angesicht des Krieges mit all seinem Leid, all seiner Gewalt entstanden. Der Belagerung Leningrads durch deutsche Truppen sind Hunderttausende zum Opfer gefallen. Schostakowitsch, in der Nachwelt ein klingendes Fanal. Nicht nur mit martialischem Lärm sondern auch mit fragilen, sensiblen Klängen der Trauer und der Angst. Fantastisch, wie elektrisierend all diese Facetten ausgeleuchtet wurden.
Die große Sinfonie des Russen bildet den Gipfel des Programms, mit dem sich das Landesjugendorchester in das Gedenken an den 60. Jahrestag des Kriegsende einreiht. Musik war und ist immer auch grenzüberschreitende Botschaft, dass Bomben und Gewehre nicht das letzte Wort behalten dürfen, Innehalten, Eingedenken – auch Arthur Honegger verarbeitet in seiner 2. Sinfonie für Streicher Momente der Gefahr, lässt darin schreckhafte Augenblicke aufblitzen, hebt an mit Seufzern der Bratschen, trauert im dichten Streichersatz des Adagio. Wer kann sich dieser Musik entziehen, wenn sie so voller Teilnahme ausgebreitet wird?
Hans Eisler „Winterschlacht – Suite“ – dies die Nummer drei in dieser intelligent angelegten Programmkonzeption des Jugendorchesters. Streicher, Bläser; Schlagzeug traten auf die Bühne. Geleitet von Alvaro Palmen zauberten sie klar nachvollziehbare musikalische Bilder hervor und erzählten eine Geschichte. Die vom deutschen Wehrmachtsoldaten nämlich, dessen anfängliche Begeisterung für die vermeintlich „gute Sache“ umschlägt. Zweifel an seiner Mission kommen auf. Am Ende steht seine Einsicht, dort unüberhörbar „Nein“ zu rufen, wo Unrecht geschieht. Eisler bietet quasi ein Lehrstück à la Bertold Brecht, überaus plastisch und eingängig in Musik gesetzt. Christian Schruff rezitierte das gesprochene, in der Tradition des Melodrams stehende Wort.
Ein solches Ereignis im Ohr, rauft man sich die Haare, angesichts derzeitiger Überlegungen, diese Orchesterarbeit in Zukunft einzustellen. Kahlschlag bei elementarer Jugendarbeit. Ganz kurzfristig mag man Geld einsparen. Mittel – und langfristig, wäre die Auflösung dieses Orchesters ein weiterer Schritt zur Verwüstung der kulturellen Landschaft. Schluss wäre dann mit Begegnungen deutscher und russischer Jugendlichen, die in der aktuellen Probenphase so ertragreich war und für die es überschäumenden Beifall gab. Den wünscht man sich auch für die Auftritte am 8. und 9. Mai in der Philharmonie in Essen und dem Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Auch dort wird man erfahren, dass die jungen Orchesterleute eine Menge zu sagen haben.
Christoph Schulte im Walde / Nottuln, 10. Januar 2005
Zum letzten Mal in diesem Jahr trifft sich das Landesjugendorchester NRW in Nottuln und feilt an den Feinheiten des Filmmusik-Programms, um es anschließend in drei Konzerten vorzutragen. Eigentlich müssten die 84 Musiker vom LJO NRW das Programm schon auswendig spielen können. Schließlich haben sie die Meisterwerke von John Williams und Co. schon bei 14 Konzerten, einer CD-Produktion und in unzähligen Proben präsentiert. Angefangen hat alles im Sommer mit einer 17-tägigen Tour durch die baltischen Staaten und Russland. Gerne erinnert sich das Orchester an die ausverkauften Konzerthallen in Vilnius, Riga und St. Petersburg und an die begeisterten Osteuropäer, die in der Regel sogar um Autogramme baten. Ganz so euphorisch ging es in Deutschland nicht zu, genug Zuhörer gab’s jedoch auch hier. Die Eindrücke vom Herbst sind noch ganz frisch und positiv. In Kevelaer, Beverungen, Wipperfürth, Lindlar und Viersen ließ das Publikum die jungen Musiker und ihren Dirigenten Jacques Mercier erst nach zwei Zugaben gehen. Zum Abonnement-Konzert in der Essener Philharmonie kamen sogar 1000 Zuhörer. Jetzt hofft das Orchester, dass die Arbeitsphase einen ähnlich erfolgreichen Abschluss findet. Am Samstag, 20. November, gastiert das LJO im Stadttheater Bocholt, am Sonntag, 21. November, im Bergischen Löwen in Bergisch-Gladbach (Beginn: 18 Uhr) und am Mo, 22. November, um 20 Uhr in der Aula der Hochschule Detmold.
Pressemitteilung – Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen
Es ist kurz nach Mitternacht. Orchesterrat und Leitungsteam sowie Dirigent Jacques Mercier überlegen, was zu tun ist. Wir haben keine Genehmigung, unsere Instrumente in St. Petersburg zu benutzen, also muß zunächst einmal die Probe am Vormittag gestrichen werden. Für das Orchester heißt das: ein weiterer freier Vormittag in St. Petersburg. Auch schwierige Situationen haben ihre guten Seiten. Alle werden verpflichtet, am gemeinsamen Mittagessen im Hotel um 13 Uhr teilzunehmen. Gegen zwei morgens, es ist Donnerstag, der 2. September, unser letzter Konzerttag, gehen wir dann schlafen.
Das Leitungsteam wird nach dem Frühstück drei mögliche Wege verfolgen: über die Hanseatische Handelskammer –NRW ist leider nicht mit einer Außenhandelskammer vertreten- beim Zollamt St. Petersburg. Dann über den Rektor der Universität auf dem Wege einer Ausnahmegenehmigung. Der dritte Weg, die Idee des Geschäftsmanns aus Vilnius, sich Instrumente zu leihen, formal natürlich nur, scheint uns der vielversprechendste Weg, eine 100% „russische“ Lösung, aber möglicherweise zu teuer. Wir setzen uns 13 h als Entscheidungszeit.
Es ist 9.30h. Rita Menke und Airida Zalieckaite machen sich auf den Weg zur Handelskammer. Zwei Dinge sind schnell geklärt: unser Carnet zu öffnen, mit den erforderlichern Formularen zu ergänzen und dann beim Zoll gültig stempeln zu lassen, ist nicht möglich. Zum zweiten -und das ist sehr bitter- macht uns die Außenhalskammer klar, dass das von der Grenzstelle in Pskow erstellte Ausreisdokument nichts wert ist, offensichtlich also nur eine Geldbeschaffungsmaßnahme. Der Leiter der Handelskammer ruft den Leiter der Zollstelle St. Petersburg an, einen General. Der stellvertretende Leiter der Außenhandleskammer und unsere beiden Damen machen sich mit dem Dienstwagen der Kammer auf den Weg zum Zollamt. Herzliche Begrüßung. Beide Herren kennen sich gut, sind, wie der General später erklärt, Duzfreunde von Präsident Putin. Ob uns das hilft? Der General erklärt sich bereit, die Grenzstelle anzurufen und greift zu einem seiner 4 Telefone auf dem Schreibtisch. Wir erhalten auch seine Handynummer mit der Bitte, etwa eine halbe Stunde vor Grenzübertritt anzurufen, damit der General sich noch einmal einschalten kann. Unser Carnet bleibt nichtsdestotrotz ungültig. Auch spielen dürfen wir in St. Petersburg nicht. Gesetz ist Gesetz, auch für einen General.
Der General bittet zum Mittagessen. Als das Orchester sich im Hotel zum Mittagessen trifft und wir unsere beiden Mitarbeiterinnen vermissen geht eine SMS ein: „Wir müssen mit dem General Mittag essen. Alles wird gut. Trinke gerade meinen zweitenSchnaps. Rita“. Russland pur.
Zwischenzeitlich gibt es Neuigkeiten von den beiden anderen Wegen. Der „litauische“Weg funktioniert nicht, weil die Anwaltskanzlei des litauischen Geschäftsmannes nicht erreichbar ist. Auch die Universität sieht keine Möglichkeiten: der Rektor heiratet an diesem Tag, und nur er hat die politischen Verbindungen, etwas für uns zu tun. Schön für den Rektor, Pech für uns!
Die Lage spitzt sich zu, es geht auf 13 Uhr zu. Da erreicht uns ein Anruf von Olga, unserer organisatorischen Partnerin vor Ort. Ihr Vater, Dozent an der Musikakademie hat ein Orchester dazu bewegen können, uns mit Briefbogen und Stempel zu bescheinigen, dass „es Instrumentarium für unser Konzert leihweise zur Verfügung stellt“. Kostenpunkt für diese kleine Gefälligkeit: 250 € . Mitarbeiter Christian wird per Taxi mit den EUROS in Marsch gesetzt und kommt in der Tat mit diesem wunderbaren Dokument zurück. Wir können spielen, das Konzert ist gerettet. Dass es sich um unser eigenes Instrumentarium handelt, das da an uns verliehen wird, interessiert niemanden. Hauptsache wir können im Fall der Fälle dem Zoll nachweisen, dass wir auf Leihinstrumenten spielen. Was für ein Land!
Die Universität, eine von über 50 in St. Petersburg ist mit 11 Filialen, einem Internat, 10 Fakultäten sicherlich nicht die größte, hat aber viel kulturelles Programm. Ein ausländisches Ensemble spielt allerdings zum ersten Mal in der mit 750 Studenten voll besetzten Aula.
Die Studenten sind begeistert, der Prorektor lädt in der Pause zu einem kleinen Empfang ein, an dem auch 5 Vertreter des Generalkonsulats teilnehmen. Zum Konzertbeginn spricht Generalkonsul Kraus und begrüßt Orchester wie Studenten auf deutsch und russisch. Wie immer gibt es mehrere Zugaben, das LJO spielt fast bis zur völligen Erschöpfung. Man merkt deutlich, dass die ganze Situation auch an den Orchestermitgliedern nicht ohne Spuren vorübergegangen ist. Nach dem Konzert entlädt sich die ganze Anspannung. Beim Fototermin draußen vor dem Unigebäude wird kräftig gesungen. Auch einer der beiden Busfahrer wird zu seinem Geburtstag überschwänglich bedacht.
So endet eine seit mehr als zwei Jahren vorbereitete Reise doch noch mit Erfolg. Die Rückreise über Finnland per Fähre nach Rostock und dann weiter nach Köln kann eigentlich nur an der Grenze noch Überraschungen bringen. Mal sehen, was das Wort eines russischen Generals Wert ist. In Rostock werden uns 2 Zollbeamte des Hafenzollamts erwarten und uns zollamtlich bescheinigen, dass wir unser komplettes Instrumentarium wieder eingeführt haben. Nur dann werden wir aus der Bürgschaftsverpflichtung von 155.000 € bei der Gocher Verbandssparkasse entlassen.
Die Reise wird gefördert vom Goetheinstitut, der Kunststiftung NRW und dem NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport.
Pressemitteilung vom 3.9. 2004
Am 30.8. um kurz nach 8 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Die Sonne scheint über Tallin, das Landesjugendorchester hat seine drei Busse beladen und gut gefrühstückt. Schon kurz hinter Tallin auf der Strasse nach Tartu und weiter über die E 77 zum Grenzübergang nach Pskow in Russland beginnt es in Strömen zu regnen. Zwei Tankstellenstopps, bei der jeweils eine Toilette für 95 Reisende zur Verfügung steht und eine kurze Mittagspause sind dafür verantwortlich, dass wir die etwa 300 km erst gegen 3 Uhr nachmittags bewältigt haben. Inzwischen scheint wieder die Sonne, es sollte das einzig Positive in den nächsten 12 Stunden sein. Das Orchester war an der Grenze angekündigt, der Zoll schriftlich und telefonisch informiert. Unser Gastgeber, die Stadt Pskow und die Deutsch-russische Gesellschaft hatten sich mächtig angestrengt. Noch eine Stunde vor Grenzübertritt erreichte uns ein Anruf aus Pskow, dass wir an der Grenze erwartet werden und wir sogar eine Sonderspur benutzen dürfen.
Dann die Realität: keine Sonderspur, der erste Bus, der in den Grenzbereich eingelassen wurde, benötigt mehr als 2 Stunden nur für die Passabfertigung, der zweite Bus (ohne Instrumentarium) wird schnell abgefertigt, da er als Kleinbus auf die PKW-Spur eingewiesen wird. Es ist inzwischen 19 Uhr, der dritte Bus wird passrechtlich abgefertigt. Dann beginnt gegen 20 Uhr das eigentliche Drama, die zollrechtliche Abfertigung. Wir hatten uns bei wirklich allen Stellen sorgfältig informiert, auch über die Stadtverwaltung Pskow beim Hauptzollamt der Stadt, das auch für die Grenzstation zuständig ist. Zunächst erklärt uns der leitende Zollbeamte, dass auf Weisung aus Moskau alle Instrumente gefilmt, fotografiert und mit einer Identnummer versehen werden müssten. Die Beamten sind außerdentlich nett und freundlich. Es wird –noch- viel gelacht. Auch unsere jungen Musiker haben nach 4 Stunden Grenzkontrolle und überwiegendem Aufenthalt in den Bussen –das freie Herumgehen im Grenzbereich ist nicht erlaubt- noch hervorragende Laune. Dann wird dem Abfertigungsteam mit Rita Menke und Emma Fridmann, gebürtig aus St. Petersburg, als Geigerin und Dolmetscherin mit dabei, erklärt, dass das Carnet ungültig sei. Hintergrund: eine Teilnehmerin hatte am Tag vor der Abreise noch abgesagt, das Zolldokument war aber vom Emmericher Zoll und der Industrie- und Handelskammer amtlich geändert worden, offensichtlich unzulässig. Ein weiteres Problem: der Zoll erklärt uns, dass für jede Stadt, in der wir spielen, ein Zolldokument im Carnet ATA vorhanden sein müsse, also auch eines für St. Petersburg. Das war uns neu –und offensichtlich nicht nur uns-, und wir sind wirklich schon in aller Welt gewesen. Zu guter Letzt wird vom Grenzzollamt auch noch das eigentlich für die Ausreise aus Russland vorgesehene Dokument abgestempelt und herausgetrennt. Damit ist das ganze Carnet ungültig. Die Prozedur zog sich bis etwa 22 Uhr hin. Dann machte der leitende Zollbeamte den gut gemeinten Vorschlag, Rita Menke mit Dolmetscherin und den Dokumenten zur weiteren Bearbeitung im Zollbüro an der Grenze zu lassen und die drei Busse mit dem übrigen Leitungsteam und den jungen Musikern nach Pskow in Marsch zu setzen, wo bereits seit 20 Uhr das Abendessen wartet. Auch dies klappt nicht auf Anhieb, da bei der Ausfahrtkontrolle aus dem engeren Grenzbereich natürlich diese zwei Personen fehlen. Nachdem auch dieses Problem geklärt ist, lassen wir den Kleinbus außerhalb des Grenzbereichs in der sogenannten Grenzüberwachungszone zurück, um Rita Menke mit Dolmetscherin aufzunehmen, wenn alle Dokumente vorhanden sind. Nach 5 km Fahrt wieder ein bewaffneter Posten, der fragt, woher, wohin, warum usw.. Schließlich erreichen wir nach weiteren 70 km auf russischen Straßen unsere gastgebende Stadt Pskow. Es ist fast Mitternacht, als das Abendessen eingenommen und die Zimmer verteilt werden konnten. Der Tag ist aber noch nicht zu Ende. Das an der Grenze zurückgelassene Team kann schließlich mit einer Sondergenehmigung für Fußgänger per Pedes den Grenzbereich verlassen, den dort wartenden Kleinbus besteigen und schließlich um 3 Uhr morgens das Hotel erreichen. Die Stimmung ist gedrückt, das Carnet ungültig, wir haben keine Spielgenehmigung für St. Petersburg, die Ausreise nach Finnland wird uns auf einem eigentlich für einen Transit vorgesehenen Formular genehmigt. Jedes einzelne Instrument auf dem Dokument (einhundertzehn!) ist mit einem Stempel versehen, als wir kurz nach 3 Uhr ins Bett fallen.
Das Frühstück um 8 Uhr ist der nächste Programmpunkt.
Der 31. August in Pskow
Rita Menke mit Dolmetscherin verbringt rund 7 Stunden auf dem Zollamt in Pskow und an der Grenze, zu der sie die Leiterin des Hauptzollamts persönlich begleitet. Alle Versuche, unser Konzert in St. Petersburg zu retten scheitern. Auf Weisung aus Moskau wird uns mehrfach versichert, dass wir in St.Petersburg die Instrumente nicht benutzen dürfen, weder zum Proben noch zu einem Konzert. Es drohen nach russischem Gesetz die Beschlagnahmung und eine Geldstrafe bis zum zweifachen Wert des Instrumentariums, das wären mehr als eine Million Euro. Unglaublich für eine Veranstaltung im Rahmen des offiziellen und viel gepriesenen Deutsch-russischen Kulturjahrs, zu dem wir nach St. Petersburg reisen. Von der vielgepriesenen deutsch-russischen Freundschaft keine Spur.
Das Konzert in Pskow ist ein Riesenerfolg. Die Halle fasst eigentlich nur 700 Besucher, die Menschen sitzen auf zusätzlichen Stühlen, auf en Treppen, insgesamt 900 Menschen feiernd stehend das LJO NRW. Blumen fast nach jedem Stück, von kleinen Mädchen an die Bühne gebracht. Mitten zwischen zwei Werken sogar ein hartnäckiger Autogrammwunsch. Das Fernsehen ist dabei.
Nach dem Konzert ein Gespräch mit Vertretern der Musikakademie über eine Zusammenarbeit zu unserem nächstes Jahr anstehenden Programm „60 Jahre Kriegsende“.
Trotz des überragenden Erfolgs wird bis in die frühen Morgenstunden diskutiert. Leitungsteam und Orchestermitglieder sind aufgewühlt: spielen wir auch ohne Genehmigung? Riskieren wir die Beschlagnahme der Instrumente?
Mittwoch, 1. September 04
Weiterfahrt von Pskow nach St. Petersburg, 300 km immer geradeaus, vorbei an uralten Bauerngehöften, heruntergekommenen Militärlagern, einer sozialistischen Kleinstadt.
Aus dem Bus heraus Telefonversuche zur Lösung unseres Problems, meist ohne Erfolg, da das Handynetz total überlastet ist.
Kontakte zum Generalkonsulat in St. Petersburg bleiben zunächst ohne Ergebnis, wenngleich sich alle mächtig bemühen. Die Industrie- und Handelskammer in Kleve vermittelt uns eine Partnerhandelskammer in St. Petersburg, die uns eventuell weiterhelfen kann mit einem Carnetanhang oder einer Ausnahmegenehmigung. Der erste Kontaktversuch ergibt, dass auch dort niemand ein solches Gesetz kennt. Man will sich aber sachkundig machen. Rückruf auf dem Handy für eine Stunde später zugesagt, scheitert am überlasteten Netz. Dann holt uns das Programm ein. Ankunft in St. Petersburg. Mittagessen um 16 Uhr, Zimmerverteilung wie gehabt. Das Hotel ist riesig, 3000 Betten. Dann Stadtrundfahrt per Bus, um einen ersten Eindruck zu bekommen, vor allem auch von der Größe der Stadt. St. Petersburg zeigt sich im Glanz seiner 750-Jahrfeier aus dem letzten Jahr. Vergoldete Kuppeln, eine unglaubliche Pracht. Die Orchestermitglieder sind mächtig beeindruckt. Das hatten sie nach Edindrücken während der Busfahrt nicht erwartet. Abends um 21 Uhr Bootsfahrt auf en Kanälen und auf der Newa, ein unglaubliches Erlebnis. Nachmittags war es noch 27 Grad, jetzt ist es teilweise schon empfindlich kalt.
Der Rückruf der Handelskammer hat uns nicht erreicht. Die Überlegungen gehen weiter, vor allem in Richtung auf Leihinstrumentarium, für ein komplettes Sinfonieorchester nicht ohne Probleme und wahrscheinlich auch nicht bezahlbar. Unsere litauische Mitarbeiterin, ikm Hauptberuf in der Europaabteilung des litauischen Wirtschaftsministeriums tätig, trifft einen Geschäftsmann aus Vilnius. Sie spricht ihn auf unser Problem an – und er hat eine Idee. Inzwischen ist es nach Mitternacht, hoffen wir auf den nächsten Tag!
Die Reise wird gefördert vom Goetheinstitut, der Kunststiftung NRW und dem NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport.
Pressemitteilung vom 2.9. 2004
In dem mit 150 Zuhörern leider nur schwach besetzten modernen Konzertsaal in der „Sommerhauptstadt“ Estlands in Pärnu (Südestland)setzte das Landesjugendorchester NRW unter Leitung von Jacques Mercier seine Goodwilltour durch das Baltikum anlässlich des EU-Beitritts der baltischen Republiken fort.
Eine weitere Veranstaltung führte das Orcvhester auf Bitten des Goethe-Instituts Tallin und der Deutschen Botschaft in Viinistu im Zentrum des estnischen Nationalpark Lahemaa durch. Aufführungsort war das alte Kesselhaus einer Fischkonservenfabrik, das zum Konzertsaal umfunktioniert wurde. Mehr als 700 Zuhörer aus einem Umkreis von rund 70 km feierten in der absoluten Einsamkeit inmitten von Hochmooren, Sümpfen, Wald und Meer die jungen Musiker. Gedacht war diese Veranstalter als Motivationsschub für den Ausbau des Kulturhauses in Loksa. Mit den bisher 4 Konzerten in Vilnius, Riga, Pärnu und Viinistu hat das LJO damit schon über 2500 Zuhörer erreicht.
Der langjährige Leiter des Goethe-Instituts in der estnischen Hauptstadt Tallin, Mikko Fritze, führte die Mitglieder des Landesjugendorchesters NRW in einer anschließenden fast zweistündigen Exkursion an die schönsten Stellen des Nationalparks und gab auch einen Überblick über die noch andauernden Folgen einer 50jährigen sowjetischen Besetzung des Landes.
Die Situation war so beeindruckend, dass sich spontan zwei junge Geigerinnen entschlossen, im Herbst einen längeren Familienaufenthalt in einem der Dörfer des Nationalparks durchzuführen.
Die Konzerttournée wird mit Stationen in Pskow und St. Petersburg (Russland) fortgesetzt.
Die Reise wird gefördert vom Goetheinstitut, der Kunststiftung NRW und dem NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport.
Pressemitteilung vom 30. 8. 2004
In der mit 750 Zuhörern fast vollbesetzten Großen Gildehalle, Rigas historischem Konzertsaal feierte das Landesjugendorchester NRW unter Leitung von Jacques Mercier einen weiteren großen Erfolg.
Nach einem zweieinhalbstündigen Programm mit Moderation in lettischer Sprache als Ergänzung zum dreisprachigen Programmheft forderte das begeisterte Publikum noch mehrere Zugaben. Die überwiegend jungen Konzertbesucher tobten, als Jacques Mercier als letzte Zugabe „James Bond“ ankündigte.
Im Rahmen der Europäischen Rundfunk-Union wurde das Konzert vom lettischen Rundfunk aufgezeichnet. Christoph Held nahm als zuständiger Redakteur des WDR Köln am Konzert teil.
Beteiligt war auch der russisch-sprachige Fernsehkanal PTP aus Lettland, der einen größeren Bericht der Probe sowie einige Interviews aufzeichnete.
Unter den Gästen des Konzerts sowie des anschließenden Empfangs befanden sich in Vertretung des im Urlaub weilenden Deutschen Botschafters sein Ständiger Vertreter Dr. Holger Ruthe mit mehreren Mitarbeitern der Botschaft wie auch der Leiter des Goethe-Instituts Riga, R. de Baey, mit seiner Programmassistentin Frau Balode.
Die Reise wird mit Stationen in Tallin und Pärnu (Estland), Pskow und St. Petersburg (Russland) fortgesetzt.
Die Reise wird gefördert vom Goetheinstitut, der Kunststiftung NRW und dem NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport.
Pressemitteilung vom 27. 8. 2004
Vor über 1.200 Zuhörern und unter Beteiligung des litauischen Rundfunks und Fernsehens begann die 17tägige Konzerttournée des NRW-Jugendorchesters in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Der Kongresssaal bot den entsprechenden Rahmen. Der deutsche Botschafter Alexander von Rom war mit einer 16köpfigen Delegation vertreten, ebenso das Goetheinstitut mit Institutsleiterin Dr. Hubatsch.
Unter der Leitung des französischen Dirigenten Jacques Mercier bot das 90köpfige Spitzenorchester Filmmusik aus Europa und Amerika. Das Programm wurde begeistert aufgenommen und mit mehreren Zugaben nach fast 3 Stunden beendet.
Die Reise wird mit Stationen in Riga (Lettland), Tallin und Pärnu (Estland), Pskow und St. Petersburg (Russland) fortgesetzt.
Die Reise wird gefördert vom Goetheinstitut, der Kunststiftung NRW und dem NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport.
Pressemitteilung vom 25. 8. 2004
Konzert des Landesjugendorchesters
Bergshövede –
Musik von Feinsten, eine Lasershow und ein Höhenfeuerwerk – mit einem Programm der Superlative fand am Samstagabend die Gemeinschaftsaktion „Kanalband – der arbeitende fluss“ am „Nassen Dreieck“ in Bergeshövede seinen Abschlussl. Das Landesjugendorchester NRW spielte unter der Leitung des renommierten französischen Dirigenten Jacques Mercier eine Auswahl berühmter Filmmelodien.
Mehr als achtzig elegant gekleidete junge – Musiker im Alter von 14 bis 22 Jahren betraten nacheinander über einen Gittersteg die schwimmende Bühne. Es war schon beeindruckend, wie die jungen Damen das Kunststück vollbrachten, ihre dünnen Absätze unbeschadet von einer Seite zur anderen hinüberzuretten.
Den Auftakt bildete die Erkennungsfanfare der 20th Century Fox, und gleich danach folgte die weltberühmte Musik „Ein Amerikaner in Paris“ von George Gershwin. Es war ein Genuss, den jungen Musikern zu lauschen, die das recht schwere Musikstück versiert und einfühlsam präsentierten. Sehr bedauerlich war aber, dass einige Passagen nahezu völlig vom Stimmengewirr aus und vor der Kneipe im Hintergrund übertönt wurden.
Auch Musik aus „Vom Winder verweht“ von Max Steiner und aus „Psycho“ Thema von Bernard Hermann waren zu hören, aber erst mit Michel Jarres eingängiger Musik zum
Film „Dr. Schiwago“ schienen einige Zuhörer aufzumerken. So wurde die „Marlene Dietrich Suite“ von Friedrich Holländer mit wesentlich mehr Aufmerksamkeit verfolgt und das Orchester mit dem verdienten Applaus belohnt. Die Musiker zogen das Publikum besonders mit der Musik zu „Out of Africa“ von John Barry in ihren Bann, wobei die erste Geige mit ihrem äußerst einfühlsamen Spiel begeisterte. Der äußerst souveräne und dynamische Dirigent Mercier verstand es meisterhaft, das Beste aus allen Musikern herauszuholen und zu einem homogenen Ganzen zusammenzufügen.
Nach Wagners Walkürenritt aus „Apocalypse Now“ folgten zwei Musiken von John Williams zu den Filmen „Schindlers Liste“ und „Star Wars“. Das Publikum rief darauf laut nach einer Zugabe. Und da zeigte sich noch einmal, welche Leistungen die jungen Musiker, die für dieses Konzert in den vergangenen zehn Tagen täglich neun Stunden geprobt hatten, zu erbringen in der Lage sind.
Moderator Bernhard Hembrock würdigte den Auftritt des Orchesters zu Recht: „Sie sollten stolz sein, dabei gewesen zu sein. Das kommt so schnell nicht wieder!
02/08/2004 – Stadt Hörstel
Landesjugendorchester und Jugendjazzorchester NRW spielen in der Mühlenberghalle
Von Stefan Corssen
Wipperfürth Mit Superlativen soll man sparsam umgehen: Doch das Konzert, dass dank des Engagements der Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“ am Sonntagabend in der bestens besuchten Mühlenberghalle zu hören war, verdient das Prädikat „sensationell“.
„Jazz meets Classik“, das Jugendjazzorchester NRW (JJO) traf auf das Landesjugendorchester (LJO). Los ging’s ganz klassisch, mit Marc Antoine Charpentiers Prélude aus dem Te Deum, besser bekannt als „Eurovisions – Melodie“. Ein Musterbeispiel funkelnder, strahlender barocker Hofmusik. Doch es geht auch ganz anders, wie die jungen Jazzer im Anschluss mit ihrer funkigen Version der Prélude bewiesen. Statt strengen 4/4 – Takt dominieren die Synkopen, ein Baritonsaxophon steuert eine schön unterkühlte Solo – Improvisation bei.
Besonders beeindruckt das Wechselspiel zwischen Klassik und Jazz in Bizets „Carmen“. Bekannte Melodien wie die „Habanera“ oder das berühmte „Auf in den Kampf, Torrero“ wurden von den Dozenten des JJO eigens bearbeitet. Schwer zu entscheiden, welche Version von Carmen mehr Schwung hat. Auf jeden Fall liefert das LJO einen höchst dramatischen und doch zugleich lyrischen Bizet ab, ein wunderbares Klangerlebnis mit vollem Orchesterklang. Doch wer glaubt, Jazzer können nur laut, der irrt. So gibt eine junge Bläserin ein ganz wundervoll zartes Solo am Flügelhorn.
„Jazz meets Classic“ – welche Komponisten könnten sich da besser eignen als Leonard Bernstein und George Gershwin? Mit der Overtüre aus Bernsteins „Candide" beweist die jungen Sinfoniker, dass sie auch in der Moderne zuhause sind. Ein spritzig – witziges Konzertstück mit unverkennbar jazzigem Einschlag. Das JJO kontert mit Russel Ferrantes „Going Home“ in einer Bearbeitung von Wolfgang Breuer. Satter Big – Band – So - und, durchbrochen von virtuosen Soli.
Zum Schluß der Höhepunkt: LJO und JJo spielen gemeinsam Themen aus „Porgy and Bess“, und zwar sowohl in klassischen als auch jazzigen Sassungen. Aus einem wunderbar zarten, sehnsuchtsvoll schmachtendem „Summertime“ wird im Nu ein herrlich leichte, swingende Melodie. Auch mit „It ain’t necessarily so“ zeigen die Nachwuchsmusiker überzeugend, dass Jazz und Klassik viel mehr verbindet als trennt. Das Publikum war hellauf begeistert und bedankte sich mit stehendem Applaus.
Wie kam die Zusammenarbeit zustande? „Wir waren mit dem JJO vor einigen Jahren in Weißrussland und haben mit dem dortigen Sinfonieorchester zusammen gespielt“.erzählt Wolfgang Breuer. „Dann kam die Intendantin der Bergischen Sinfoniker auf uns zu, und wir haben gemeinsam dieses Programm realisiert. Die ganzen Arrangements zu schreiben, das war ein ziemlicher Aufwand. Drum freuen wir uns, dass wir diese Bearbeitung jetzt noch einmal spielen können. Wie erleben die jungen Musiker die Begegnung mit ihren Kollegen? „Die sind unheimlich neugierig“, meint Breuer „jeder hört mit Begeisterung zu, was der andere macht.“
Im LJO spielen derzeit auch zwei 15 – jährige Wipperfürther mit: der Posaunist Julius Böhm und Florian Rösner an der Tuba. „Einfach affengeil“, findet Florian die Zusammenarbeit mit den Jazzern, „so etwas müsste es viel öfters geben.“
Wipperführt – Lindlar, Dienstag, 11. Mai 2004
Westfalen Blatt - Höxter Zeitung vom 13. September 2004
Beverunger Rundschau vom 13. September 2004
Höxter Kurier vom 16. September 2004
Westfalen Blatt - Höxter Zeitung vom 21. September 2004
Neue Westfälische vom 21. September 2004
Beverungen (rj). Das Programm der Kulturgemeinschaft Beverungen und Umgebung ist bekanntlich enorm vielseitig.
In dieser Woche stehen zwei große Ereignisse an, das Konzert der Zehn Tenöre am Dienstag und am Mittwoch das Theaterstück „Reisen mit Lady Astor“. Die ganze Bandbreite zeigte sich in dieser Saison bereits bei den Aufführungen für Jugendliche und Kinder, im Auftritt von Jörg Knör – und auch die ernste Musik wird nicht vergessen!
Das wurde eindrucksvoll klar im Auftritt des Landesjugendorchesters Nordrhein-Westfalen.
Das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen, eine Initiative der Jeunesses Musicales, wurde 1969 gegründet. Es besteht aus etwa 100 Instrumentalisten im Alter von 14 bis 22 Jahren. Überwiegend handelt es sich um Preisträger von „Jugend musiziert“. Großes Können und ein enormes Engagement sind Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Viele von ihnen werden später Berufsmusiker in Orchestern oder der Lehre. Das Repertoire des Orchesters reicht zeitlich vom späten 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart; etwa 120 „Arbeitsphasen“, Produktionen, hat es bislang gegeben. Das Landesjugendorchester ist weithin bekannt durch Konzertreisen in alle Bundesländer und ins Ausland. Hierzu gehört etwa die China-Tournee von 2000. Die CD-Produktion und Konzert-Mitschnitte geschehen meist in Zusammenarbeit mit dem WDR.
Französische Impressionisten standen in Beverungen auf dem Programm: Hector Berlioz mit dem „Römischen Karneval“, Darius Milhauds „Konzert für Marimbaphon und Orchester“, Gabriel Faurés „Pénélopè“ und schließlich Claude Débussys „La mer“. Eine solche thematische Zusammenstellung hat einen großen Vorzug: Die Zuhörer können sich voll und ganz auf eine Musikrichtung einrichten.
Vier Orchesterstücke, die viel von den Musikern abverlangten und in der sehr gut besuchten Beverunger Stadthalle zu einem vollen Erfolg wurden. Seitens des Orchesters und des Dirigenten Hubert Buchbergers, Professor für Kammermusik an der Musikhochschule Frankfurt eine großartige Leistung. Besser kann man es nicht machen: Das Gebotene war technisch perfekt und vor allem auch adäquat dargebracht!
Besondere Begeisterung gab es im Saal für das Konzert für Marimbaphon und Orchester.
Milhaud (1892 – 1974) verbrachte längere Zeit in Brasilien, während der deutschen Besetzung Frankreichs auch in den USA, und war stets offen für die Anregungen seiner Umgebung – daher die ungewöhnliche Instrumentierung. Stephan Möller war der Marimbaphon-Solist, der das Publikum hier absolut überzeugte. Man muss aber ganz insgesamt von Dirigent wie Orchester sagen, dass sie mindestens so gut sind wie andere, viel bekanntere Orchester!
In jeder Saison gibt es ein solches Konzert in der Beverunger Stadthalle. Wir sehen auch in dieser Beziehung der nächsten Saison gespannt entgegen!
Beverunger Rundschau – vom 19.11.2003
Von Nina Mewes
B e v e r u n g e n. Das leise Plätschern der Wellen, das Rauschen wogender Fluten oder ein tosender Sturm – als das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen in der Stadthalle Beverungen Claude Debussys „La Mer“ anstimmte, zogen am inneren Auge des Zuhörers in all ihrer Poesie vorbei.
Einen temperamentvollen und fröhlichen Beginn hatte das Konzert mit dem „Römischen Karneval“ von Hector Berlioz genommen, der das Publikum in den Trubel einer Fastnacht mit all seiner Ausgelassenheit entführte.
Direkt im Anschluss stand schon einer der Höhepunkte auf dem Programm. Das Konzert für Marimbaphon und Orchester von Darius Milhaud wird so manchem Zuhörer zuerst fremdartig erschienen sein, doch spätestens im langsamen zweiten Satz konnte man sich dem Zauber der verträumt-meditativen und verspielten Klänge dieses extravaganten Soloinstruments nicht mehr entziehen.
Besonders hervorzuheben ist hierbei der junge Solist am Marimbaphon Stephan Möller, der zur Zeit Jungstudent an der Robert Schumann Hochschule für Musik in Düsseldorf ist. Der 20-Jährige hat dieses Jahr mit seinem Schlagzeugquartett den ersten Bundespreis des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ gewonnen.
Als Abschluss des ersten Teils bot das junge Orchester das melancholische „Prélude“ zu Gabriel Faurés „Pénélopé“ dar und beeindruckte einmal mehr durch sein inbrünstiges Spiel.
Es folgte nach der Pause der zweite Höhepunkt, die zwischen 1903 und 1905 entstandene Tondichtung „La Mer“ von Claude Debussy. Das Werk zeichnet in seinen drei Teilen nachschöpferische Bilder der Natur, fängt die Atmosphäre „Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer“ ein und beschreibt das „Spiel der Wellen“ und die „Zwiesprache zwischen Wind und Meer“. Dabei wurde auf dramatische und eindrucksvolle Effekte nicht verzichtet, so dass das Konzert einen glanzvollen Abschluss fand.
Das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen wurde 1969 gegründet und besteht aus hochbegabten Musikerinnen und Musikern im Alter von 14 bis 22 Jahren. Diese sind überwiegend Preisträger der Wettbewerbe „Jugend musiziert“ und haben meist eine Karriere als Berufsmusiker vor sich.
Acht- bis zehnstündige Proben
Das Programm wird in 14-tägigen Arbeitsphasen erarbeitet, in denen täglich acht bis zehn Stunden geprobt wird. Belohnt wird diese Disziplin der jugendlichen Musiker mit großen Erfolgen in Deutschland, Europa und der Welt. Der Dirigent Hubert Buchberger, Professor für Kammermusik an der Frankfurter Musikhochschule, ist als Leiter verschiedenster Ensembles, Kammer- und Jugendorchester erfahren in der Leitung junger Orchester.
Das Konzert in der Beverunger Stadthalle wurde zum Gedenkkonzert für den vor 20 Jahren verstorbenen Martin Stephani ernannt, der das Landesjugendorchester 13 Jahre lang leitete.
Neue Westfälische – vom 30.10.2003
B e v e r u n g e n (WB). Zur Erinnerung an Martin Stephani, den lang-jährigen Leiter des Landesjugendorchesters Nordrhein-Westfalen, gibt das Orchester in jedem Jahr ein Gedenkkonzert zu Ehren des großen Musikpädagogen, der mit enormen Einsatz jahrelang das Engagement und die Qualität des Orchesters gefördert hat. In diesem Jahr gastierten die jungen Instrumentalisten in der Stadthalle Beverungen.
Der Konzertabend stand ganz im Zeichen französischer Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts. Allen voran Claude Debussy mit dessen furiosem Klanggemälde „La mer“ der eindrucksvolle Höhepunkt des Programms gesetzt wurde. In drei sinfoni-schen Skizzen „von der Morgendämme-rung, bis zum Mittag auf dem Meer“, „Spiel der Wellen“ sowie „ein Zwiege-spräch zwischen Wind und Meer“, fängt der Komponist die unterschiedlichen Stimmungen des Meeres ein, und unter der behutsamen Leitung von Hubert Buchberger werden die Naturstimmungen durch die Musik erfassbar.
Spannungsbogen bis zum Schluss
Das Landesjugendorchester spielt engagiert und präzise. Es vermag eine subtile Spannung aufzubauen und den Span-nungsbogen auch bis zum Schluss zu hal-ten. Dem Publikum erschloss sich eine zündende und gleichwohl fein nuancierte Wiedergabe der drei Tonbilder.
Der Solist des Abends hieß Stephan Möller. Der junge Schlagzeuger spielte den Solopart in dem „Konzert für Marimbaphon und Orchester op. 278“ von Darius Milhaud. Mit großer Präzision zelebrierte Stephan Möller den eindrucksvollen Tanz von Schlegel und Klöppel, den kontrastierenden Dialog von Solist und Orchester. Darius Milhaud war ein Vertreter der neuen Musikgeneration, die sich in Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte. Ihr Credo war eine Abkehr von der Romantik, eine Wiederentdeckung von Schlichtheit und Harmonie. Die Leichtigkeit in der Klanggebung, ist beim Spiel Stephan Möllers besonders hervorzuheben. Eine fein und transparent, skizzierte Instrumentation konnte das Publikum bei der Ouvertüre „Römischer Karneval“ op. 9 von Hector Berlioz bewundern. Lebenssprühende Musik, die Liebesgeflüster und Mummenschanz des Karnevals bringt. Das Orchester glänzte auch hier mit blitz-sauberem Spiel und mit Leichtigkeit in der Melodienführung.
Die markanten tänzerischen Impulse wurden als akzentuierter Kehraus betont. Nicht zu vergessen Gabriel Fauré mit dem „Prelude“ zu seiner in Deutschland noch nie aufgeführten Oper „Pénélopé“. Das Or-chester bemühte sich um romantisch schwelgende Melodienbögen, reiche Fa-cetten und fein gesponnene Netze von Schönheit und Brillanz. Das Publikum in der Beverunger Stadthalle war begeistert und verabschiedete die jungen Musikerin-nen und Musiker mit anhaltendem Beifall.
Dagmar Korth Westfalen-Blatt – Höxtersche Zeitung – vom 30.10.2003
Landesjugendorchester konzertierte/ Klaviersolist begeisterte
Nottuln. Noch ist das Neue Jahr keine Woche alt, da hat Nottuln schon seinen ersten kulturellen Höhepunkt erlebt: am Freitag präsentierte das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen nur wenige Monate nach seinem letzten Nottulner Auftritt das Ergebnis der jüngsten Probephase.
Auf ihn richtete sich an diesem von Anfang bis Ende bemerkenswerten Abend ganz besondere Aufmerksamkeit: Christian Zimmer. Gerade einmal 16 Lenze zählt der junge. Sympathische Pianist aus Wuppertal - und dennoch wirkte seine Interpretation von George Gershwins F-Dur-Concerto ungemein erfahrungsgesättigt. So, als ob Zimmer schon seit Jahren mit diesem höchst anspruchsvollen Stück im Kopf herumläuft. Er hat ein perfektes "Feeling" für Gershwins süffige Harmonik. Für den federnd swingenden Jazz. Für die rasanten und ansteckenden Rhythmen. Ganz zu schweigen von Christian Zimmers technischen Fähigkeiten. Mit denen er die erheblichen Tücken des Concertos meisterte.
Ein glänzender Pianist allein wäre jedoch nur die eine Hälfte einer packenden Interpretation - das Orchester die andere. In dieser Hinsicht erwiesen sich Thomas Wise und der von ihm betreute sinfonische Apparat als ein Glücksfall. Wise, dem gebürtigen Amerikaner, liegt Gershwins Musik offenbar voll im Blut. Und seine Spritzigkeit, sein Temperament übertrug sich direkt auf die jungen Akteure. Ohnehin zeigte sich das über 90-köpfige Orchester in allerbester Verfassung, schon gleich zu Beginn in Aaron Coplands ruhiger Ballettmusik "Appalachian Spring" mit seinen herrlichen Farben. Die gaben einer ganzen Reihe einzelner Solisten Raum zur Entfaltung, von denen vor allem der blutjunge Oboist mit seinem fantastischem, ja traumhaftem Ton genannt werden muss. Für den Rest des Abends war er auf dem Englischhorn zu hören.
Aaron Coplands folkloristisch inspirierte Klanglandschaft ist voller vertrackter Rhythmen, die ganze Konzentration im Orchester fordern.
Nicht weniger Charles Ives' "The Unsanswered Question", gewiß ein "Klassiker der Moderne", in dem die Frage nach der Zukunf gestellt, aber eben nicht beantwortet wird. Ives kombiniert drei heterogene Schichten, die simultan ablaufen. Hier zogen die seidigen Streicher still ihre Kreise, völlig unberührt von der fragenden Solo-Trompete wie von dem konfusen, ratlosen Flötenquartett.
Mitreißende Vitalität, schäumende Atmosphäre entwickelten zum Schluss Leonard Bernsteins Symphonische Tänze aus der "West Side Story", nicht zuletzt dank Trillerpfeife, Fingerschnipsen umd "Mambo"-Rufe. Zwischendurch ein paar Gymnastik-Einlagen wie schunkelnde Posaunen plus Tuba und geigende Stehaufmännchen - das setzte diesem außergewöhnlichen Erlebnis die Krone auf. Der Riesenapplaus war somit voll und ganz verdient.
Westfälische Nachrichten 07.01.2002
Überbordende Stimmung im Konzertsaal
Gevelsberg. Im letzten Meisterkonzert herrschte eine großartige Atmosphäre. Da stimmte aber auch alles. Die Bühne war bis in die letzte Ecke von 14- bis 22-jährigen Musikern bevölkert, der Saal war vollbesetzt, das amerikanische Programm von einem gebürtigen Amerikaner dirigiert und das Solo-Klavier spielte ein 16-Jähriger.
Vor wem soll man da zuerst den Hut ziehen? Um im Landesjugendorchester"NRW mitzuspielen, muss man sich in Wettbewerben also Solo-Instrumentalist besonders hervorgetan haben, um sich dann in einer Prüfung zu qualifizieren. Die Arbeitsphasen des Orchesters liegen in den Schulferien. Die öffentlichen Auftritte schließen direkt daran an.
Wenn nun der Glücksfall hinzutritt, dass der Dirigent - Thomas Wise - von den Leistungen dieser jungen Menschen so sehr angetan ist. Dass sein Dirigat für ihn "ein Privileg" ist, dann erhält Wise im Gegenzug Zutritt bis in den letzten musikalischen Herzenswinkel der Jugendlichen. Und sie gehen mit ihm durch jedes Feuer der Partitur.
Das Ergebnis war unter Wises engagierter, präziser und kluger Stabführung hautnahe Copland-, Ives-, Gershwin- und Bernstein-Aufführungen. Da dürfen sich Profi-Orchester gerne eine Scheibe abschneiden von der hellwachen Spritzigkeit, dem aufmerksamen Aufeinanderhören, dem leichfüßigen rhythmischen Elan und der jazzigen Klangphantasie bei hoher technischer Präzision.
Da wird so spontan aus der Mitte heraus musiziert, dass sich das Publikum unversehens im gleichen musikalischen Boot wiederfindet.
Die ersten massiven Jubelstürme durfte Christian Zimmer vor der Pause für seine Solo-Auftritt im Gershwin Konzert in F entgegennehmen.
Westfälische Rundschau am 11. Januar 2002
Gevelsberg
Mit angehenden jungen Musikern hatte der amerikanische Dirigent Thomas Wise (39) schon als Dozent der Kölner Musikhochschule zu tun. Doch mit hoch begabten Jungmusikern ab 12 Jahre arbeitet er zum ersten Mal. Thomas Wise dirigiert das Landesjugendorchester"NRW, das am morgigen Dienstag, 20 Uhr, in Gevelsberg gastiert.
Ist es eine große Umstellung mit jungen Leuten zu arbeiten?
Oh, das mach mir großen Spaß. Die jungen Leute sind noch offen für das, was ich vermitteln möchte, anders als viele Profimusiker. Es ist ein Privileg, mit so vielen intelligenten und musikalisch jungen Menschen zusammenzuarbeiten. Wir haben zum Beispiel eine 12 Jahre alte Hornbläserin und einen 13-jährigen begnadeten Trompetensolisten. Wenn die spielen, da bleibt einem wirklich die Sprache weg.
Welches Anliegen steht hinter dem Konzertprogramm?
Ich möchte die Vision amerikanischer Musik weitergeben. "Appalachian Spring" ist eine Ballettmusik von Aaron Copland. Sie erzählt von einer großen Liebe in der Bergkette der Appalachians. Das zweite Stück von Charles Ives ist ein Schlüsselwerk der Musik des 20. Jahrhunderts, zu Leonard Bernsteins Musical "West Side Story" muss ich sicher nichts mehr sagen.
Welche Karriere stellen Sie sich persönlich vor?
Nur eines: Ich möchte Musiker bleiben mein Leben lang. Ohne Musik kann ich mir mein Leben nicht vorstellen, da habe ich keine Wahl. Ich lebe in der Gegenwart und bin sehr glücklich. Seit elf Jahren wohne ich in Deutschland, seit kurzem in Hamburg mit meiner Frau und meinen beiden 17 Monate alten Zwillingssöhnen.
Westfalenpost 07.02.2002
zum Seitenanfang