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Konzertreisen


China-Reise 25. Dezember 2009 bis 12. Januar 2010



Montag, 21. Dezember 2009



Vorfreude nennt man es wohl... Eine spannende Reise erwartet die 59 Orchestermitglieder, Dirigent Christian Fitzner und das Leitungsteam der Jungen Kammerphilharmonie NRW. Am ersten Weihnachtstag geht's los in die Jugendherberge Morsbach. Dort wird das Programm noch ein paar Mal geprobt, bevor das Orchester am 26. Dezember zum Flughafen nach Frankfurt fährt - ein elfstündiger Flug nach Shanghai...

Reiseplan (Stand 21.12.2009) zum Herunterladen



Reiseplan-aktuell.pdf



Die Tagesberichte:





Sonntag, 27. Dezember 2009 - Shanghai




Nach kurzen intensiven Auffrischungsproben am 25. und 26. Dezember mit Christian Fitzner in Morsbach startet die Junge Kammerphilharmonie NRW weihnachtlich beschwingt, natürlich mit dem Lindlarer Reisedienst – am Steuer Ralf Knecht, zum Frankfurter Flughafen.
Dort stellen wir fest, dass Orchester-Reisen nach China gerade in Mode sind, reist doch das nur 30 km von Goch entfernt beheimatete Symfonieorkest Nijmegen mit ähnlichem Programm ebenfalls nach Shanghai. Eine der Musikerinnen hat sogar einmal selbst in der JKPh gespielt, ihr Bruder viele Jahre im LJO – und da trifft man sich am Frankfurter Flughafen auf dem Weg ins ferne China – so klein ist die Welt!
Eine gemeinsame musikalische Kostprobe geben wir für die wartenden Mitflieger schon im Wartesaal, indem wir dort mit Schostakowitschs 2. Walzer begeisterten Applaus ernten – zumindest diejenigen spielen mit, deren Instrumente sich noch nicht in der Frachtverladung befinden; und Unterstützung von niederländischer Seite gibt es auch! Die kleine musikalische Einlage verkürzt den Reisenden die Warte-, den Flughafenbediensteten die Arbeitszeit.
Mit knapp zweistündiger Verspätung starten wir gegen 21.30 Uhr MEZ unseren elfstündigen Flug Richtung Shanghai, wo wir bei Schnee(regen) und Sichtweiten unter 50 Metern von unseren chinesischen Partnern, der Agentur Sinika, empfangen werden. Der Flug selbst verläuft unspektakulär, lediglich bei der Gepäckausgabe müssen wir feststellen, dass sich die Boxentasche des die Harfe ersetzenden E-Pianos als nicht unkaputtbar erwiesen hat. Aber dieses Problem lässt sich leicht beheben.

Zur Freude des Orchesters können wir gleich auf dem Weg ins Hotel geführt von Peter Wiedehage und Zhou Ying (Agentur Sinika) auf einer Stadtrundfahrt erste Eindrücke der Millionenmetropole sammeln. Shanghai beeindruckt durch ein farbenfrohes Lichterspiel.
Im vier-Sterne-Hotel „Yafan Longmen Hotel Shanghai“, zentral am Nord-Bahnhof gelegen, bekommen wir zum Abschluss eines spannenden Tages ein tolles vielgängiges Abendessen serviert.
Überraschenderweise besucht uns danach der Ex-JKPh-Hornist Terence, der mittlerweile im hiesigen Profi-Orchester spielt.

Jetzt heißt es früh schlafen zu gehen, weil morgen nicht nur ein anstrengender Probentag sondern auch das erste Konzert in der Shanghai Concert Hall ansteht.
(von Harriet Oelers und Richard Meyer)



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Montag, 28. Dezember 2009 - Shanghai




Frühstück ab 6.30 Uhr – für das Aufbaukommando mit Zou Ying gibt es kein Entrinnen. Abfahrt des ersten Busses um 7.30 Uhr Richtung Shanghai Jiaoton University. Dort findet am Vormittag die erste Orchesterprobe statt. Ein wenig macht sich der Jetlag bemerkbar – ist es doch eigentlich gerade erst 2.30 Uhr nachts... Entsprechend anstrengend ist die erste Probe.

Zum Mittagessen fahren wir zurück ins Hotel. Glücklicherweise brauchen wir nur mitfahren, denn selber Auto fahren in Shanghai ist nicht zu empfehlen: Fahrstreifenbegrenzungen und Verkehrsschilder scheinen nur der Zierde zu dienen. Ein jeder fährt drauflos, frei nach dem Motto: Wer hupt, gewinnt. Es tummeln sich unglaublich viele Autos, Motorräder und Fahrräder in dieser riesigen Stadt. Die Busfahrten eröffnen uns Blicke auf Hochhäuser, gefolgt von scheinbaren Einfamilienhäusern, die aber auch schon drei- bis viergeschossig sind. Sogar die Straßenführung ist mehrgeschossig – Kreuzungen mit fünf Etagen. Gleich danach wieder Hochhäuser. Eine Baustelle reiht sich an die andere – in Vorfreude auf die Expo 2010. Und zwischendrin kleine grüne Parkanlagen in denen die Menschen sich zur Morgengymnastik und zum Tai Chi treffen. „Alleine Shanghai hat mehr Einwohner als ganz NRW“, so Peter Wiedehage. Beeindruckend, laut und gigantisch.

Nach einer kurzen Verschnaufpause fahren wir am Nachmittag zur Shanghai Concert Hall, der ältesten von drei Konzerthallen in Shanghai. Die Concert Hall hat 1100 Zuhörerplätze, ein gemütlicher Konzertsaal mit Opernatmosphäre. Die Stellprobe ist gleichzeitig unsere China-Generalprobe und verspricht ein tolles erstes Konzert.

Vor fast ausverkauftem Haus ernten wir mit unserem Neujahrskonzert-Programm mit Walzerklängen von Schostakowitsch und Strauß, Arien aus Bizets Carmen, der Fledermaus und Cavalleria Rusticana sowie den Rokoko-Variationen für Cello und Orchester tosenden Beifall. Moderation durch Peter Wiedehage, die Solisten Anna Haase und Hendrik Blumenroth begeistern das Publikum.
Insbesondere die zwei von Eberhard Schallenberg arrangierten chinesischen Volkslieder Yao und Jasmin sorgen für ein Raunen im Saal – ein schönes Konzert zum Start in die Konzertreihe, bei dem auch Vertreter des Deutschen Generalkonsulats in Shanghai und des Goethe-Instituts anwesend waren.

Zum Tagesabschluss wieder ein vorzügliches Abendessen am runden Tisch im Hotel – diesmal ausschließlich mit Stäbchen!
(von Silke Kehren)



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Dienstag, 29. Dezember 2009 - Changshu




Heute stand Changshu auf unserem Tournee-Plan, eine „kleine“ Stadt von 1,5 Millionen Einwohnern knapp zwei Busstunden nördlich von Shanghai. In einem Hotel konnten wir uns ein wenig ausruhen und wieder einmal erstklassig chinesisch speisen. Viele von uns nutzen die Zeit auch zu einem Stadtbummel, vorbei an urigen Lädchen zu einer eindrucksvollen Tempelanlage mit reichlich Buddha-Statuen – ein echtes Kontrastprogramm zur Megametropole Shanghai.
Danach ging es zum ungeheizten Theater, wo wir eine bibbernde Generalprobe ertrugen. Entschädigt wurden wir durch ein leckeres Abendessen im Hotel.
Beim Konzert war dann der Konzertsaal zumindest ansatzweise geheizt. Trotzdem galt die Devise: lieber warm als chic.

Auch der Anblick des gut gefüllten Saales erwärmte uns ein wenig. Mit unserem fetzigen Programm konnten wir das chinesische Publikum immer mehr aus der Reserve locken. Zum Schluss gab es begeisterte Ovationen. Wir verabschiedeten uns mit einem freundlichen „Gute Nacht“ auf Chinesisch. Peter Wiedehage hatte im Bus mit uns geübt. Es klang etwa so wie „one – an“. Die Chinesen haben es jedenfalls verstanden und haben sich sehr gefreut.
Gegen Mitternacht waren wir wieder zurück in Shanghai.
(von Eberhard Schallenberg)



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Mittwoch, 30. Dezember 2009 - Shanghai, Xiamen, Quanzhou



Wenn Engel reisen... Bei wunderschönem Sonnenschein (allerdings war auch der Shanghai-typische Smog dabei) haben wir heute Vormittag das alte Shanghai besichtigt. Wir haben gelernt, wie man handelt und dieses Wissen auch gleich bei den vielen Händlern angewendet. Während die einen auf neuen Einmal-Skates durch die engen und verwinkelten Gassen fegten, suchten die anderen nach Mitbringseln für die Daheimgebliebenen oder probierten chinesische Musikinstrumente aus, die dort angeboten wurden. Ein Gegensatz zu dem bunten Markttreiben war der Garten Yu mit beruhigendem Flair, Koi-Seen und interessanten Bäumen. Wiedergetroffen haben wir uns an der sogenannten Zick-Zack-Brücke (Da die bösen Geister nur geradeaus gehen können, ist man auf dieser Brücke vor ihnen sicher).
Auf dem Weg zum Flughafen im modernen Stadtteil Pudong hatten wir in einem Restaurant die Möglichkeit unsere inzwischen ausgereiften Fähigkeiten im Mit-Stäbchen-Essen anzuwenden.
Der Flug etwa 800 Kilometer südwärts nach Xiamen verlief komplikationsfrei. Dass die großen Instrumente bereits mit dem Transporter unterwegs waren, hat das Einchecken sehr erleichtert. In Xiamen angekommen, hatten wir die Gelegenheit, uns die wunderbar beleuchtete Promenade an der Wasserstraße von Taiwan anzusehen, auf dem bunt blinkende Schiffe an uns vorbeifuhren. Bei ca. 15 Grad war es um einiges wärmer als in Shanghai.
Nach etwa zweistündiger Fahrt erreichten wir dann gegen 21.00 Uhr unser neues Hotel in Quanzhou. Hier wurde uns zum Essen nur Messer und Gabel angeboten – alle bestellten Stäbchen!
(von Harriet Oelers)



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Donnerstag, 31. Dezember 2009 - Quanzhou



In Anbetracht von Silvester ließen wir es heute ruhig angehen: Um 9:30 Uhr starteten wir unser Sightseeing-Programm mit dem buddhistischen Tempel Kaiyuan in Quanzhou, der einer der ältesten in China ist. In zwei Gruppen wurden wir durch die großangelegte Tempelanlage geführt und erfuhren nicht nur Interessantes über den Tempel sondern auch über den Buddhismus allgemein. Beeindruckend waren vor allem die zwei aus Stein gebauten Pagoden aus dem 13. Jahrhundert, die 44 Meter hoch sind. Auch große Buddha-Figuren und den ältesten Maulbeerbaum der Welt konnten wir bestaunen. Beim anschließenden Besuch einer sehr belebten Einkaufsstrasse, die wir auf dem Weg zu den Überresten einer alten muslimischen Moschee entlang gingen, hatten wir das Gefühl richtig in China angekommen zu sein. Viele kleine Läden, die sich auf jeweils eine Ware spezialisiert hatten, reihten sich aneinander: Während es in dem einen Laden nur Schrauben zu kaufen gab, hatte der nächste nur lebende Schildkröten, und der übernächste nur Lampenschirme im Angebot, dazwischen auch ein Zahnarzt. Vor den Läden wurde auf kleinen Öfen gekocht, gegessen und Tee getrunken.
Wieder im Hotel angekommen, war das Mittagessen bereits fertig und wir feierten mit chinesischer Sahne-Torte Jakobs Geburtstag. Der Nachmittag war bestimmt durch die Stellprobe in unserem heutigen Konzertsaal in der Quanzhou Hua Qiao University. Dieser Mehrzwecksaal der Universität hat 3.800 Plätze, die beim Konzert bis auf den Letzten besetzt waren. Sogar auf den Stufen saßen noch begeisterte Zuhörer. Wieder einmal kamen unser schmissiges Neujahrsprogramm und die Moderationen von Peter Wiedehage sehr gut an. In der Pause und nach den drei Zugaben stürmte das Publikum die Bühne, so dass wir beinahe Angst um unsere Instrumente hatten. Es wurden hunderte Fotos geschossen, alle gaben Autogramme und signierten unsere JKPh-CDs. Es war für alle eine ganz neue Erfahrung auf derart begeisterte „Fans“ zu treffen. Als letzter verließ Christian Fitzner, der sich von Menschen umringt regelrecht zum Bus durchkämpfen musste, den Konzertsaal.
Nach der Rückkehr zum Hotel aßen wir gemeinsam zu Abend und verfolgten dabei natürlich genau die Uhr. Da Sekt in China unüblich ist, stießen wir mit Rotwein und Bier aufs Neue Jahr an, was bei über 60 Personen einige Zeit in Anspruch nimmt. Die Aufsicht, die für Ruhe im Hotel sorgen musste, hatte es in dieser Nacht schwer den Lärm-Pegel der Feiern auf einem hotelverträglichen Niveau zu halten.
Sarah, Christine, Felix, Christian, Bernard, Carolin, Antonia, Fabian, Draga, Lia, Anna, Victoria, Dominik, Tanja, Linda, Svenja, Katharina, Tilman, Juliana, Christoph, Ruth, Benjamin, Richard, Theresa, Johanna, Lorenz, Jonathan, Jakob, Friederike, Maximilian, Gundula, Matthias, Wolfgang, Inga, Maike, Verena, Bettina, Gesa, Clara, Esther, Daniel, Heide, Robert, Andreas, Ignacy, Josua, Franziska, Valentin, Florian, Jonas, Nils, Martin, Moritz und Patrik, sowie Dirigent Christian Fitzner, die Solisten Anna Haase und Hendrik Blumenroth und das Leitungsteam Eberhard, Klaus-Dieter, Silke, Jan Hendrik, Beate und Harriet wünschen allen ein frohes Neues Jahr 2010!
(von Harriet Oelers)



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Freitag, 1. Januar 2010 – Quanzhou / Fuzhou



Trotz Neujahr und einiger feiermüden Musikern stand für heute Vormittag wieder eine Busreise auf dem Programm: Um 9:00 Uhr checkten wir aus unserem Hotel in Quanzhou aus und machten uns auf die etwa dreistündige Fahrt nach Fuzhou. Angekommen am Hotel waren wir zuerst begeistert von der Größe und der Ausstattung des Hotels, was durch ein wunderbares Essen, das uns dort serviert wurde, noch übertroffen wurde. Vor der Probe hatten alle die Gelegenheit noch ein wenig auszuruhen und auf den Zimmern zu verschnaufen.
Zum Glück lag der heutige Konzertsaal, das Fuzhou Theatre, genau gegenüber dem Hotel. Mit 800 Plätzen war dieser Saal einer der kleineren auf unserer Tour. Wegen fehlender Klimaanlage (Heizungen gibt es hier gar nicht) war er ziemlich kalt, hatte aber eine sehr sehr gute Akustik, so dass wir unser Programm unter akustisch optimalen Bedingungen präsentieren konnten, was die Chinesen mit ausgiebigem Applaus dankten.
(von Harriet Oelers)



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Samstag, 2. Januar 2010 – Fuzhou



Heute war ein konzertfreier Tag ohne Weiterfahrt. Sightseeing und Shopping in Fuzhou stand auf dem Tagesplan. Nach ausgiebigem chinesischem Frühstück mit allem, was das Herz begehrt, starteten wir um 10:00 Uhr in die Altstadt von Fuzhou – nicht etwa ein Stadtteil für westliche, sondern eher für chinesische Touristen. Dort haben einige die Gedenkstätte des Lin Zexü besichtigt, der durch seinen Kampf gegen den Opiumhandel zum Nationalhelden wurde. Ein sehr schön gestaltetes Museum mit vielen Gebäudebestandteilen, kleinen Parkanlagen und entsprechenden historischen Informationen. Der Besuch hat sich gelohnt.
Außerdem wartete natürlich die Shoppingmeile der Altstadt auf uns. Der Stadtteil heißt übersetzt „Sieben Gassen und Drei Straßen“ – eine neu errichtete Altstadt mit typischen chinesischen Geschäften.
Fuzhou ist berühmt für seine Lack- und Hornarbeiten. Es werden hier in dieser feuchtwarmen Region (ganzjährig über 15 Grad) wunderschöne Lackarbeiten gefertigt. Alle Stücke haben einen Holzkern und werden circa ein dutzend Mal lackiert. Dieser spezielle Lack trocknet nur in feuchtem Raumklima. Fertig gestellte Stücke sind dann z.B. Vasen in allen Größen, Suppenschälchen und Teller aber auch Armreifen, Bilder und Uhren.

Zum Mittagessen zurück ins Hotel durften wir wieder ein fünf-Sterne-Essen genießen. Wenn das so weiter geht, kommen wir alle rund und gesund heim...

Nach kurzer Mittagspause starteten wir (leider bei Regen) zum Botanischen Garten. Etwa eine halbe Stunde entfernt konnte man dem Stadtgetümmel entfliehen – die Geräuschkulisse ist auch hier enorm, aber kein Vergleich zu Shanghai. Der Garten verfügt über allerlei exotische Pflanzen – was bei uns als kleine Zimmerpflanze im Blumenhandel steht, wächst hier unter freiem Himmel in die Höhe und die Breite. Apropos Breite: Der Botanische Garten beherbergt einen etwa 1000 Jahre alten Baum. Drumherum können sieben Erwachsene einen Kreis bilden und sich gerade eben an den Fingerspitzen berühren – so dick ist der Stamm.
Zum Abschluss unseres Regenspaziergangs wurden wir dank Peter Wiedehage auf ein regionales Getränk aufmerksam: Der sogenannte Milchtee, ein für westliche Augen etwas abenteuerliches Getränk, das aus einem gelierenden Pulver mit Wasser eine dunkle Flüssigkeit braut – schmeckt ein wenig wie schwarzer Tee mit Milch und Zucker, hat aber überhaupt keine Ähnlichkeit damit.

Bevor wir zurück ins Hotel gingen, nahmen einige die Möglichkeit wahr, in einen Teeladen zu gehen. So betraten 19 Personen unter den staunenden Augen der Dame des Hauses den kleinen Teeladen, in der Absicht, den Tee zu probieren. Man bereitete uns eine Teezeremonie mit sehr schmackhaftem Tee, der sich wunderbar als Mitbringsel eignet. Selbstverständlich durfte hier das Erinnerungsfoto für die "Teeladenbesatzung" mit allen anwesenden Orchestermitgliedern und Peter Wiedehage nicht fehlen.
Nach einem feudalen Abendessen stand der Abend zur freien Verfügung. Viele sind früh schlafen gegangen (man vermutete Nachwehen von der Silvesternacht), andere noch mal auf eigene Faust los. Inzwischen fühlt man sich hier in der Ferne ganz wohl, obschon außer einer Teilnehmerin niemand aus der Gruppe chinesisch sprechen oder lesen kann. Es ist immer wieder eine Herausforderung, beim Zusammentreffen mit Chinesen zu kommunizieren. Wir versuchen es weiter!
(von Silke Kehren)



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Sonntag, 3. Januar 2010 – Nanping



Heute stand wieder ein Ortswechsel auf unserem Reiseprogramm. Pünktlich um 9:00 Uhr checkten wir in Fuzhou aus, bedienten uns noch einmal an dem großzügig gedeckten Frühstücksbuffet (inkl. Froschschenkeln) und brachen gegen 9:45 Uhr nach Nanping auf. Auf der dreistündigen Busfahrt, während der wir ca. 170 Kilometer zurücklegten, konnten wir die außergewöhnliche Berglandschaft Chinas bewundern (Reisfelder, kleine Ortschaften, Teeanbau), die wir so vorher noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Einige Teilehmer nutzten die Fahrt aber auch, um Anstrengungen der letzten Tage in Form von Schlaf zu kompensieren, was wegen der ständigen Huperei (eine lästige aber für den Straßenverkehr anscheinend unabdingbare Angewohnheit der Chinesen) erschwert wurde.

Angekommen in Nanping freuten wir uns über die sommerlichen Temperaturen im Süden Chinas (ca. 19 Grad) und den lange nicht gesehenen klaren blauen Himmel. Das war wohl der wärmste 3. Januar unseres Lebens.
Zum Glück waren alle Reisenden im Umgang mit chinesischen Hotels schon so geübt, dass sie sich von den rein chinesischen Beschriftungen nicht stören ließen. Auch mit dem nur chinesisch sprechenden Hotelpersonal kommen wir inzwischen klar (auch Dank der Dolmetscher) – wenn es nicht vor uns wegläuft.

Das nun aufgetischte Mittagessen schmeckte den meisten so gut wie immer. An Reis als Hauptnahrungsmittel haben wir uns inzwischen gewöhnt. Vom wunderbaren Sommerwetter inspiriert, brachen die abenteuerlustigen Orchestermitglieder nun ins Stadtzentrum von Nanping auf, das sie teilweise schockierte. Das „kleine Städtchen“ (Zitat Reiseführer) mit etwa einer Million Einwohner brachte uns nahe, in welchen Verhältnissen die Bevölkerung in der Provinz zum Teil noch lebt (eng, klein, das Leben findet auf der Strasse statt: hier wird gekocht, gegessen, Wäsche getrocknet, und für europäische Nasen unangenehme Gerüche wehen durch die engen Gassen).

Um 16:30 Uhr ging es zur Konzerthalle. Die Stellprobe gestaltete sich als sehr unterhaltsam, da Herr Fitzner das Walzer-Programm kurzzeitig außen vor ließ und uns Schuberts „Unvollendete“ und Smetanas „Moldau“ vom Blatt musizieren ließ. Die willkommene Abwechslung tat allen offensichtlich gut, wobei uns diverse Besetzungsvarianten und unbeachtete Vorzeichen immer wieder schmunzeln ließen.
Das Konzert um 20.00 Uhr war alles in allem fetzig. Herr Fitzner lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, um das Publikum bei Laune zu halten: so diesmal ein kitschig-rosaner Luftballon, den er am 1. Kontrabass befestigte. Aber auch die vielen chinesischen Handyklingeltöne bereicherten das Neujahrsprogramm. In jedem Fall wird es nie langweilig, und wir beendeten beim gemeinsamen Abendessen im Hotel wieder einen aufregenden und schönen Tag im Reich der Mitte.
Morgen wird es anstrengend: Der Weckruf kommt um 5:30 Uhr!
(von Verena Härtel, Svenja Schnepel, Christine Schäfer, Richard Meyer, Moritz Wappler und Wolfgang Ruland)



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Montag, 4. Januar 2010 – Nanjing



Heute haben wir den warmen Süden Chinas wieder verlassen. Um rechtzeitig zum Abflug nach Nanjing den Flughafen Fuzhou zu erreichen, mussten wir bereits um 6:30 Uhr das Hotel räumen. Zum Glück konnten wir unseren Schlaf auf der dreistündigen Busfahrt fortsetzen. Da unsere großen Instrumente wie die Bässe, Pauken, Celli, Schlagwerk und Posaunen wieder mit dem Transporter fuhren, hatten wir ein entspanntes Einchecken.
Bereits nach einer Stunde Flugzeit landeten wir in der Provinzhauptstadt Nanjing. Hier waren es winterlich kalte fünf Grad. Vom Flughafen aus ging es als erstes zu der großen Jangtse-Brücke. Dank eines Aufzugs brauchten wir keine Treppen zu steigen, um den Blick von der hohen Brücke zu genießen und uns den Wind um die Ohren wehen zu lassen. Fertig gestellt 1968 – in den Wirren der Kulturrevolution – ist diese Brücke ein monumentales Bauwerk der Mao-Ära und gilt als Sinnbild der nationalen Eigenständigkeit der Volksrepublik China. Mit einer Gesamtlänge von über sechs Kilometern überspannt die Brücke den an dieser Stelle ca. anderthalb Kilometer breiten Jangtse. Durchgefroren stiegen wir wieder in den Bus und fuhren in die Altstadt.
Hier konnten wir den Konfuzius-Tempel besichtigen und durch die lebendigen Strassen von Nanjing schlendern. Eine Fußgängerzone, die den bei uns bekannten schon sehr nahe kommt, wird von kleinen Gassen mit vielen kleinen Läden gesäumt. Auch für diejenigen, die keine Souvenirs einkaufen wollten, lohnte sich ein Spaziergang durch die Altstadt.
Nach eineinhalbstündigem Aufenthalt brachten uns die beiden Reisebusse zum Hotel ans andere Ende der Stadt. Zwar hatte Peter Wiedehage angekündigt, dass die Hotels nicht wieder im Fünf-Sterne-Bereich liegen würden – jedoch lassen sowohl Zimmer als auch das immer hervorragende Essen keine Wünsche offen.
Ein freier Abend für alle lädt ein zu Supermarktausflügen (spannend in China – was wohl in dieser Süßigkeitentüte sein mag?!...) und Spaziergängen in kühler frischer Luft, z.B. im direkt dem Hotel gegenüber liegenden Park an einem der erhaltenen Stadttore Nanjings. Wer möchte, darf natürlich auch früh schlafen gehen...
(von Jan Hendrik Kehren, Silke Kehren und Harriet Oelers)



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Dienstag, 5. Januar 2010 – Nanjing / Yangzhou



Tatsächlich sind gestern viele schon früh ins Bett gegangen. Frühstück zwischen 7.00 Uhr und 9.30 Uhr wurde trotzdem für die meisten knapp. Ausschlafen hat gut getan!
Nachdem leider gestern das Museum des großen Massakers wegen Ruhetag am Montag nicht besucht werden konnte, war die Abfahrtszeit in Nanjing eine Stunde nach hinten geschoben worden, um dafür Zeit zu gewinnen. Trotzdem haben sich nur wenige gemeldet, die schon um 7.00 Uhr frühstücken wollten, um den Museumsbesuch wahrzunehmen. Stattdessen waren viele in dem dem Hotel gegenüber liegenden Park spazieren gegangen. Kühle Morgenluft bevor es weiter geht – zwei Stunden Busfahrt nach Yangzhou lagen vor uns.

Im Hotel angekommen: Schon wieder hervorragendes Essen und anschließend ein wenig Freizeit!
Yangzhou ist berühmt für seine liebevoll angelegten Gärten und damit beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel für Einheimische und Gäste. Nur zwei Taximinuten entfernt (bei entspannter Verkehrslage) erreichte man den Garten He, eine privat angelegte Gartenanlage und zur Besichtigung frei gegebene Wohnräume. Einige haben diesen Garten besucht, andere haben sich die Umgebung des Hotels angesehen und sind am Kaiserkanal spazieren gegangen, der direkt hinter unserem Hotel verläuft. Kalt und sonnig war der Tag. Warm angezogen war es zu schade, während der Mittagspause im Hotel zu bleiben.

In den vorangegangenen Beiträgen haben wir an dieser Stelle über die Konzerte berichtet – auch das folgt noch, aber zunächst für alle Konzertbesucher ein Blick hinter die Kulissen: An Konzerttagen fahren unsere Inspizienten Max, Richard und Jan H. zusammen mit dem Pianisten und Zou Ying mindestens eine Stunde vor dem Orchester Richtung Konzerthalle. Dort wird dann der Orchesteraufbau mit Stühlen, Pulten, E-Piano und Schlagzeug-Instrumenten schon fertig gestellt, sowie Garderoben und Toiletten ausgeschildert bevor das Orchester eintrifft. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön! Denn so kann die jeweils vor Konzerten stattfindende Stell- und Einspielprobe schnell beginnen.
Heute haben wir wieder feststellen dürfen, wie wichtig diese Probe ist. Nicht nur zum noch mal Durchspielen einiger Orchesterstellen oder auch zum Anspielen ganz anderer Literatur. Sondern vor Allem, um den Aufbau für gut zu befinden, die Licht- und Wärmeverhältnisse zu erkunden und natürlich um sich auf den Konzertsaal einzustellen. Es ist jedes Mal aufs Neue spannend, die andere Akustik, die neue Bühne und den neuen Konzertsaal kennen zu lernen. Prompt gab es heute einen „schnellen geordneten Umbau“, so Dirigent Christian Fitzner. Wir waren weit weg vom Publikum, konnten aber aufgrund der Bühnenbeschaffenheit (aus Gewichtsgründen) nicht alle zusammen auf den hochgefahrenen Orchestergraben. Trotzdem wurde alles so weit wie möglich nach vorne gezogen. So kann’s gehen! Und wenn so wie bei uns alle Orchestermitglieder mitmachen, ist das alles kein Problem – nur immer wieder spannend.
Erstmalig heute haben wir das Programm ohne Pause gespielt, weil der Veranstalter dies ausdrücklich wünschte. Später beim Abendessen haben wir von Zou Ying erfahren, dass die Junge Kammerphilharmonie NRW das erste deutsche Orchester überhaupt war, das in Yangzhou ein Konzert gegeben hat. Und wohl auch nicht das Letzte – denn wir haben bereits eine Einladung erhalten, auch im nächsten Jahr wieder zu kommen und ein Konzert zur Eröffnung der noch zu erbauenden Konzerthalle zu geben...
(von Silke Kehren)

Besonderer EXKURS: Aufsicht in der Hotel-Lobby, das ganze Leitungsteam mit Christian Fitzner und Peter Wiedehage versammelte sich. Bereits Minuten vor 0:00 Uhr hörte man die Aufzug-Türen und eine recht ungeordnete Menge Menschen, die mit „Pscht“ und „Ruhe“ die Hotelhalle füllten und ihre Anwesenheit nicht wirklich geheim zu halten vermochten. Und dann: Mitternacht in Yangzhou... etwa 20 Orchestermitglieder kommen von den Aufzügen in Polonaise und „Zum Geburtstag viel Glück“ singend auf uns zu. Denn: Klaus-Dieter (KDS) hat Geburtstag. Nach dem Einzugsmarsch stellte die Gruppe sich auf und sang im Kanon, mehrstimmig auf deutsch und anschließend die paar bekannten Brocken chinesisch verwendend noch einmal. Ein Quintett aus Flöte, zwei Klarinetten, Oboe und Fagott leistete einen schauerlich-schönen Kammermusikbeitrag – denn keiner der Instrumentalisten hatte sein eigenes Instrument... Chinesischer Geburtstagskuchen und singende Geburtstagsblume begeisterten alle und sorgten für Belustigung, aber eine singende Lotusblüte ohne „Aus-Knopf“ kann anstrengend sein... Zum Wohl und gute Nacht! (0:32 Uhr in China...)
(von Silke Kehren)



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Mittwoch, 6. Januar 2010 – Yangzhou / Changzhou



Der Tag fing sehr gut an: In unserem Hotel gab es westliches Frühstück. Bisher haben wir uns wacker morgens von gebratenen Nudeln, Kuchen und Maultaschen ernährt. Heute konnten wir uns mit Toast, Käse, Salami und Marmelade den Bauch voll schlagen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf die etwa zweistündige Busfahrt nach Changzhou, einer Stadt in der Provinz Jiangsu. Jiangsu ist seit 1984 Partnerprovinz von NRW. Auch Changzhou ist mit rund drei Millionen Einwohnern eine der „kleineren Städte“ auf unserer Reise, wie Peter Wiedehage im Bus ankündigte.
Der Tag lief weitestgehend nach dem bisher mehrfach praktizierten Schema ab. Nach dem Einchecken im Hotel, das mittlerweile sehr zügig von statten geht, und einem wie immer wunderbar reichhaltigen Mittagessen, ruhten wir uns kurz auf den Zimmern aus. Am Nachmittag fuhren wir dann mit unseren zwei Bussen in die Innenstadt zur Konzerthalle, dem Red Star Theatre von Changzhou. Hier machte sich das Aufbau-Team an die Arbeit, während das restliche Orchester noch für eine Stunde durch die Shoppingmeile bummelte. Um 17:30 Uhr begann die Stellprobe in dem Theater, das für vielerlei Veranstaltungen genutzt wird: Bis 16:00 Uhr war es noch Kino, am Abend Konzertsaal. Die Eingangshalle wird auch von einem Optiker als Ausstellungsfläche genutzt, so dass Beate ihren CD-Stand mit den JKPh-CDs zwischen den Brillen und Kontaktlinsen-Fläschchen aufbauen musste.
Wie bereits gestern haben wir auch heute unser Programm ohne Pause gespielt. Das ist für alle anstrengend und die Gesangssolistin Anna Haase muss sich sehr beeilen, da sie jeden Auftritt in einem anderen Outfit bestreitet. Besonders ihre Gesangsstücke, der Radetzky-Marsch und die Bearbeitungen der chinesischen Werke von Eberhard Schallenberg („Tanz der Yao“ und „Yasmin“) kommen bei den Chinesen besonders gut an. Das konnte man auch bei einer Zeitungskritik vom gestrigen Konzert, die Peter Wiedehage für uns übersetzt hat, feststellen. Nachdem das Konzert beendet war und Christian Fitzner wieder einmal zahlreiche Autogramme gegeben und CDs signiert hatte, machten wir uns auf den Heimweg zum Hotel, wo bereits ein leckeres Abendessen auf uns wartete. Mit einem großen Flunky-Ball-Tunier, das zwischen den Besetzungen unserer beider Busse ausgetragen wurden, endete unser 11. Tag in China.
(von Harriet Oelers)



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Donnerstag, 7. Januar 2010 - Changzhou / Hangzhou



Nach der vom Flunky-Ball geprägten Nacht starteten wir den heutigen Tag mit einer vierstündigen, staureichen und hupf- und schaukelfreudigen Busfahrt nach Hangzhou, einer reichen und herausgeputzten Provinzhauptstadt südlich von Shanghai. Wir stärkten uns mit einem leckeren Mittagessen und fuhren anschließend zu einer wundervoll gelegenen Seeanlage, die im Westen der Tee- und Seidenmetropole liegt.
Über den See führt ein langer Damm, den wir in ca. einer Stunde überqueren konnten. Die Gärten auf beiden Seiten des Damms waren sehr gut gepflegt und erweckten ein Gefühl von Ruhe und Eintracht, und wir genossen es, dem städtischen Lärm und Gestank entfliehen zu können.
Überall auf dem See fuhren Boote in traditionell chinesischem Stil, und einige von uns ließen sich für wenige Euro über die stillen Gewässer paddeln. Am Horizont dieses „Westsees“, dem berühmtesten Chinas, ragten Pagoden gen Himmel, welche einen hervorragenden Ausblick auf die idyllische Landschaft gewährten.
Außerdem befand sich dort eine Koi-Karpfen-Zucht. Herr Fitzner versuchte auf dem Bauch liegend seine Finger den tausenden Fischen als Angelköder anzubieten. Als sie jedoch angstverschreckt zurückwichen, änderte er seine Taktik und beglückte die Fischherzen mit zerbröselten Schokoladensticks, die von den Rundmäulern dankend verschlungen wurden.
Andere Orchestermitglieder „erkauften“ sich für 2 Yuan (20 Cent) die Zuneigung vieler Turteltäubchen, die mit dem Rascheln der kleinen Futtertütchen äußerst vertraut waren. Wir wurden regelrecht belagert von den weißen Fluggeschöpfen.

Anschließend bezogen wir unser Hotel, dinierten aber in einem „Fremdhotel“. Mit einem etwas gewöhnungsbedürftigen Abendessen mit Muscheln und Vogelköpfen auf dem Tisch endete ein schöner, entspannter Tag ohne Konzert.
(von Matthias Botzet)



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Freitag, 8. Januar 2010 - Hangzhou



Für viele stand heute vormittag das Highlight der Reise auf dem Programm: die Seidenstraße. Zwei Stunden hatten wir Zeit uns in den vielen kleinen Geschäften die Waren aus Seide anzusehen. Zwischen Seidenschlafanzügen, Bademänteln, Tüchern, Schals und Krawatten hat jeder ein Mitbringsel für Verwandte und Freunde und auch sicher etwas Schönes für sich selbst gefunden. Schwer bepackt mit vielen Tüten fielen wir in unser Mittagsrestaurant ein, in dem wir bereits gestern abend gegessen hatten.
Nach dem Essen kehrten wir in unser Hotel zurück. Nachdem in zahlreichen Modeschauen auf den Zimmern die neu erstandenen Seidenartikel bewundert wurden, ruhten wir uns etwas aus, um fit für das heutige Konzert im Hangzhou Theatre zu sein. Bei lausig kalten Temperaturen auf der Bühne absolvierten wir unsere Stellprobe. Diese fiel heute etwas länger aus, da unsere erste Flötistin wegen Magenproblemen im Hotel bleiben und Christian Fitzner Bettina, die eigentlich zweite Flöte spielt, in die erste Flöte einweisen musste. Sie hat im Konzert ihre Sache wunderbar gemacht!
Die 1.300 Plätze des Theaters waren zu gut 2/3 gefüllt, und das Publikum war wieder einmal begeistert. Von Christian Fitzner und Peter Wiedehage animiert klatschten die Zuhörer stürmisch bei der „Donner und Blitz“-Polka und dem Radetzky-Marsch mit. Die gute Stimmung im Publikum übertrug sich auch auf das Orchester, und beschwingt kehrten wir von unserem vorletzten Konzert in China zurück ins Hotel. „Das ist unsere Generalprobe für Peking“, so Eberhard Schallenberg. Generalprobe gelungen: Morgen machen wir uns auf den Weg nach Peking!
(von Harriet Oelers)



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Samstag, 9. Januar 2010 - Hangzhou



Hangzhou ist berühmt für seinen Longjing-Tee, übersetzt: Drachenbrunnen-Tee. Deshalb durfte ein Ausflug in die nahegelegenen Teeberge auf keinen Fall in unserem Kultur-Programm fehlen. Vormittags besuchten wir also das Dorf der Familie Mei, in dem es eine lange Tradition in Teeanbau und –verarbeitung gibt. Diese wird zur Sicherung der Qualität ausschließlich von Hand und bei sehr hohen Temperaturen vorgenommen. Wir wurden über die gesundheitlichen Vorzüge und heilenden Wirkungen des grünen Tees informiert, den wir dann auch in bester Qualität probieren durften. Danach bestand die Möglichkeit zum Kauf, wobei die Preise für chinesische Verhältnisse mit 20 Euro für 125 Gramm astronomisch hoch waren. Dazu muss gesagt werden, dass es diese Qualität von grünem Tee in Deutschland gar nicht zu kaufen gibt.
Nach einer Kletterpartie mit toller Aussicht durch die Teeberge machten wir uns noch einmal auf zum Westsee, wo wir zu Mittag aßen und einige die Gelegenheit nutzten, mit einem Bötchen über den Westsee zu fahren. Einige tranken noch einen Kaffe, andere wollten angesichts der bevorstehenden 13stündigen Zugfahrt lieber noch etwas frische Luft schnappen.
Trotz widriger Zeitumstände und etwas Hektik gelang es Peter Wiedehage noch vor Abfahrt des Zuges nach Peking einen leckeren Kuchen für unser heutiges Geburtstagskind Clara zu besorgen. Nachdem jeder sein Abteil im Zug gefunden hatte, unser Gepäck und die Instrumente verstaut waren und jeder den Zug erkundet hatte, wurde er Clara feierlich überreicht und ebenso wie die liebevoll gepackten Lunchpakete schnell verputzt.
In Ermangelung anderen Notenmaterials spielten einige in ihrem Abteil mitgebrachte Weihnachtslieder: Die Besetzung war mit Geige, Klarinette, Bratsche und Fagott etwas speziell. Nachdem um 22.00 Uhr das Licht im ganzen Zug gelöscht wurde, schaukelten wir friedlich schlafend Peking entgegen.
(von Harriet Oelers und Richard Meyer)



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Sonntag, 10. Januar 2010 – Nachtzug von Hangzhou nach Peking



Pünktlich um 6.00 Uhr wurden wir von den freundlichen Schaffnerinnen unseres Nachtzuges geweckt: Ankunft in Peking in 40 Minuten! Nach Katzenwäsche und eiligem Zusammenraffen des Gepäcks waren wir bereit zum Aussteigen. Etwas müde liefen wir mit unserem Gepäck zu den bereitstehenden Bussen. Diese brachten uns zum Frühstück in unser Hotel, das wir für die nächsten zwei Tage unser zu Hause nennen würden. Das Frühstück war sehr reichhaltig und stärkte uns für die Besichtigung des Kaiserpalastes. Bei kalten Witterungsbedingungen besichtigten wir die kaiserlichen Gemächer, unter anderem das Bett von der Kaiserin. Yang, der Praktikant der Forbidden City Concert Hall, wo wir heute Abend konzertieren würden, führte uns durch die weitläufige Anlage, die in viele verschiedene Abschnitte gegliedert war.
Direkt nach der Besichtigung gingen wir in einem nahegelegenen Restaurant essen, wo es, wie immer, gut schmeckte. Nach Rückkehr ins Hotel hatten wir eine wohlverdiente Ausruhphase. Am späten Nachmittag machte sich der erweiterte Aufbau-Trupp auf den Weg zur Konzerthalle. Dieses Mal waren auch die Bassisten und alle Schlagzeuger dabei, um die neuen Leihinstrumente auszuprobieren. Leider waren die Pekinger Bässe nicht so gut wie die Shanghaier Bässe, die wir bis zum letzten Konzert hatten. Dafür war die Konzerthalle spitze! Auch das Konzert war ein großer Erfolg: Das Publikum, das sich als sehr musik-erfahren herausgestellt hat, war begeistert. Es waren außerdem der Kulturattachée der deutschen Botschaft und Mitarbeiter des Goethe-Instituts anwesend. Nach dem Konzert erhielten wir die Nachricht, dass es ihnen sehr gut gefallen hat und sie von der Programmauswahl begeistert waren.
Noch aufgewühlt vom tollen Konzerterlebnis aßen wir in einem Buffet-Restaurant zu Abend. Das superleckere Essen und die Tatsache, dass es dort Freibier gab, waren ein toller Abschluss dieses ereignisreichen und erfolgreichen Tages.
(von Beate Kowalczyk, Matthias Botzet und Harriet Oelers)



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Montag, 11. Januar 2010 - Peking



Wo vor einer Woche noch das absolute Schneechaos herrschte, begrüßte uns am frühen Morgen ein glasklarer blauer Himmel. Es stand fest: Unserem langersehnten Besuch der Großen Mauer stand nichts mehr im Wege. Um 9:30 Uhr machten wir uns auf die etwa anderthalbstündige Fahrt. Als wir ausstiegen, waren wir froh, dass wir alle unsere dicksten Anziehsachen trugen, denn kalte Temperaturen und eisiger Wind schlugen uns entgegen. Von unserem Startpunkt aus sahen wir, wie sich die Große Mauer nach beiden Seiten an der Bergkette bis zum Horizont entlangzog. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto vor der Mauer konnte jeder nach eigenem Ermessen das imposante Bauwerk besteigen. Selbst die sportlichsten Musiker des Orchesters hatten mit den überdimensionalen und unregelmäßigen Treppenstufen zu kämpfen. Offen blieb die Frage, wie damals vor über 1.000 Jahren die doch relativ kleinen Chinesen mit ihren Rüstungen diese großen Stufen überwinden konnten. Beim anstrengenden und auch streckenweise gefährlichen Aufstieg zum höchsten Punkt wurden wir an den Zwischenstationen mit fantastischen Blicken auf die Mauer und die Berglandschaft belohnt. Nach zwei Stunden trafen wir uns durchgefroren aber wohlbehalten am Bus wieder.

Beim anschließenden Mittagessen im Restaurant konnten wir uns aufwärmen und stärken. Daran angeschlossen war eine Vasenmanufaktur mit größtenteils gefälschten Ausstellungsstücken, wie unser Experte Peter Wiedehage feststellte. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter zum „Kaufrausch“ in einer der größten Markthallen in Peking. Hier werden (hauptsächlich gefälschte) Markenartikel zu sehr günstigen Preisen angeboten. Auch konnten wir unsere Fähigkeiten im Handeln weiter ausbauen. Von allen Seiten umworben und in die kleinen Verkaufsstände hineingezerrt, konnte man sich nur schwer der Freundlichkeit und der Verkaufstüchtigkeit der Händler entziehen.

Andere sind mit der U-Bahn oder dem Taxi zum Platz des himmlischen Friedens gefahren. Hier konnten wir das Einholen der Fahne und die abendliche Räumung des Platzes beobachten.
Pünktlich um 19.00 Uhr trafen wir uns alle wieder zum sehr westlichen Abendessen im obersten Stock des Kaufhauses. Da dies unsere letzte gemeinsame Mahlzeit war, wurde die Gelegenheit genutzt, um Solisten, Dirigent und Organisatoren von Sinika einen herzlichen Dank auszusprechen. Als Geschenke überreichten wir von allen Orchestermitgliedern unterschriebene Bademäntel und Pyjamas von der Seidenstraße, da Nachtwäsche aufgrund der vielen Hotelwechsel eine besondere Bedeutung hatte. Im Gegenzug bedankte sich Peter Wiedehage von Sinika mit einem kleinen chinesischen Glücksbringer für jeden. Die Geschenkübergabe setzte sich bei Ankunft im Hotel weiter fort. Vom Orchester erhielt jeder aus dem Leitungsteam eine wunderschöne Teetasse mit einem individuell ausgesuchten Mundschutz – ein in China besonders in der kalten Jahreszeit oft getragenes Accessoire. Mit Diashows und ausgelassenen Zimmerpartys im Hotel ging der letzte Abend in China zu Ende.
(von Patrik Pietschmann und Harriet Oelers)



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Dienstag, 12. Januar 2010 – Peking / Frankfurt



Von heute gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Nach kurzer Nacht (es wurde ausgelassen der letzte Abend in China gefeiert) machten wir uns müde und der eine oder andere sicher auch verkatert auf zum Flughafen.
Für die interessante Architektur des Pekinger Flughafens, der für die Olympischen Spiele gebaut wurde und einer der größten Flughäfen der Welt ist, hatten die Wenigsten Muße. Nachdem einige Bläser – als Stichprobe für das ganze Orchester – ihre Instrumente vom Zoll kontrollieren lassen mussten und die chinesischen Zollbeamten bescheinigten, dass wir unsere Instrumente alle wieder mit nach Deutschland nehmen dürfen, checkten wir in unseren Flieger nach Frankfurt ein. Auf dem etwa elf Stunden dauernden Flug (wir hatten etwas Verspätung) konnten wir fast durchgehend den Sonnenuntergang beobachten und wunderbare Bilder von Sonnenspiegelungen aus den Flugzeugfenstern schießen.

In Frankfurt angekommen, ging alles sehr schnell. Die Koffer und unser Sperrgepäck (Schlagzeugkisten, E-Piano und fünf Celli) kamen unbeschadet an, als sich auch schon die Ersten verabschiedeten, um ihre Heimreise direkt von Frankfurt aus anzutreten. Ralf Knecht wartete schon mit seinem Bus vor dem Flughafen, um die übrigen Musiker nach Köln zu bringen. Hier endete gegen 22.00 Uhr mit gegenseitigem Umarmen und Verabredungen für ein baldiges Wiedersehen offiziell unsere Chinareise.

Einen ganz herzlichen Dank gilt all denjenigen, die diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben: allen voran natürlich die Musiker, die in den neun Konzerten in China Wunderbares geleistet haben und von denen jeder mit seiner Persönlichkeit die Gruppe bereichert hat. Aber auch an Sinika, die für einen reibungslosen und perfekt organisierten Ablauf der Reise gesorgt haben und an das deutsche Leitungsteam, mit dem es ein entspannt-harmonisches Zusammenarbeiten war, geht unser aller Dank. „One an“ (gute Nacht auf Chinesisch) und bis zum nächsten Reisebericht der Jungen Kammerphilharmonie!
(von Harriet Oelers)



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