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Rheinische Post vom 18. März 2005
NRZ vom 17. März 2005
WZ vom 17. März 2005
Die Junge Kammerphilharmonie NRW unter der Leitung von Claudio Vandelli musizierte Werke der Romantik und des 20. Jahrhunderts
Von Christoph Clören
Gevelsberg.
Ganz im Zeichen des hochbegabten musikalischen Nachwuchses stand der Auftakt der Meisterkonzert – Reihe, veranstaltet von der Konzertgesellschaft Gevelsberg im Zentrum für Kultur und Kirchen in der Südstraße. Die Junge Kammerphilharmonie NRW unter der Leitung von Claudio Vandelli musizierte Werke der Romantik und des 20. Jahrhunderts.
Schon zu Beginn, in Gioacchino Rossinis Ouvertüre zur Oper „Die Italienerin in Algier“, feuerte Claudio Vandelli, ehemaliger Schüler von Sergiu Celibidace und Carlo Maria Giulini, die 18- bis 25 – jährigen Vollblutmusiker zu hoch konzentriertem , begeisterungsfähigem, dynamische sorgfältig austariertem Ensemblespiel an.
Nach dem gravitätischen Ernst der langsamen Einleitung ließen Dirigent und Orchester im anschließenden Allegro – Teil dem übermütigen, von detailgenauen geformten kammermusikalischen Holzbläserpartien dominierten musikalischen Geschehen freien Lauf, ohne die interpretatorische Übersicht zu verlieren.
Von einem Poem aus Artur Rimbauds „Illuminations“ ließ sich Arthur Honegger zu seiner „Pastorale d’ete“ inspirieren. Hier ließ das junge Ensemble unter Claudio Vandelli mit facettenreichen Klangfarben die klangliche Illusion eines strahlenden Sommermorgens entstehen.
Zu den herausragenden Ausnahmetalenten Deutschlands im Bereich Solovioline gehörte zweifellos der erst 18 – jährige, bei Köln gebürtige Ken Schumann.
Mit sattem raumfüllenden Ton, Sinn für die Modellierung größerer zusammenhängender Melodiebögen und makelloser Intonation gestaltete der Stipendiat der Jürgen – Ponto – Stiftung zwei Violinromanzen von Antonin Dvorak und Camille Saint – Saens, in deren Mittelteil beachtliche grifftechnische Schwierigkeiten dem Solisten dankbare Möglichkeiten boten, sein Können unter Beweis zu stellen.
Abgerundet wurde das interpretatorische anspruchsvolle Programm durch die Aufführung von Franz Schuberts „kleiner“ C- Dur – Sinfonie D 589. Unter Claudio Vandelli steigerte sich die Junge Kammerphilharmonie NRW zu internationalem Profi – Niveau.
Der Kopfsatz beeindruckte in der langsamen Einleitung durch sonore Fülle der Tongebung, homogenen Ensembleklang und gravitätische Würde, der darauf folgende Allegro – Abschnitt durch plastische, punktgenaue Artikulation der thematischen Verläufe und bewusst herausgearbeitete dynamische Kontraste.
Der in recht zügigem Tempo voranschreitende Andante – Satz überraschte nach lyrisch – kantablem Anfang mit dramatischen, temperamentvollen Gefühlsausbrüchen im Mittelteil, die von den Interpreten mit leidenschaftlichem Engagement umgesetzt wurden. Nach der eher gemäßigten Bewegtheit des Scherzos steigerte sich die ausgewogene Thematik des Finales zu einem furiosen Abschluss.
Begeisterter Applaus der Zuhörer für Kirche und Kultur animierte Dirigent und Ensemble zu Wiederholung des dritten Satzes.
Die Junge Kammerphilharmonie – das ehemalige Landesjugendkammerorchester NRW – gab ein Konzert vor rund 230 geladenen Gästen in der Dresdener Bank an der Stresemannstraße.
Unter Leitung von Claudio Vandelli boten die Musiker, gemeinsam mit den Solisten Ken Schumann und Jan Liebich ein anspruchsvolles Programm. So zählte die Ouvertüre „Die Italienerin Algier“ von Gioacchino Rossini ebenso dazu wie Werke von Gustav Holst, Artur Honegger und Franz Schubert. Die Beraterbank fördert talentierte Musiker. „Unseren Gästen bieten wir ein hochkarätiges Musikprogramm in einem ungewöhnlichen Rahmen, und jungen Leuten geben wir Gelegenheit, weitere Konzerterfahrung vor einem großen Publikum zu erlangen“, betonte Werner Dressler, Mitglied der Geschäftsleitung Corporate der Dresdener Bank AG in der Region Ruhr und Westfalen.
Neue Westfälische vom 01. Oktober 2004
„Grandios! Hervorragend!“ Überschwängliche Begeisterung herrschte jetzt im Foyer der Dresdener Bank in Bielefeld, das für eineinhalb Stunden in einen Konzertsaal verwandelt worden war. Auf Einladung des Hauses gab die Junge Kammerphilharmonie NRW ein exklusives Konzert vor 230 geladenen Gästen der an der Stresemannstraße ansässigen Beraterbank. Unter der Leitung des italienischen Dirigenten Claudio Vandelli boten die jungen Musiker gemeinsam mit den Solisten Ken Schumann und Jan Liebich (beide Violine) ein anspruchsvolles Programm.
Westfalen Blatt vom 30. September 2004
Euskirchen vom 01. Oktober 2004
VON CAROLIN BIETZKER
Zülpich-Langendorf – Das Jugendkammerorchester Nordrhein-Westfalen ist aus der Reihe der „Konzerte in der Remise“ nicht wegzudenken. Bereits zum neunten Mal gastierten die Nachwuchsmusiker auf jetzt Burg Langendorf – wenn auch in stetig wechselnden Besetzungen.
Eines ist stets gleich geblieben: das hohe Niveau. Am Samstag sorgte vor allem Hanna Kristina Schäfer für Aufsehen. Die 21-jährige Violinistin brillierte als Solistin in Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Aus dem populären Zyklus für Violine und Streicher und Basso Continuo hatte das Orchester unter der Leitung von Fernando Eldoro aus Madeira für den Auftritt in Langendorf „Frühling“ und „Sommer“ gewählt.
Mut gefordert
Die Aufführung bekannter Werke erfordert Mut, weil die Zuhörer prominente Aufnahmen davon im Ohr hatten. Das Jugend-Kammer-Orchester NRW konnte Vergleichen aber durchaus standhalten. Es überzeugte mit bildhafter Interpretation und lebendig-akzentuiertem Spiel. Angeleitet durch das feurige Dirigat von Fernando Eldoro, bewiesen die Musiker Ausdruck und Schwung.
Dabei stellten sie auch kleine Details der genialen Komposition eindrucksvoll heraus. Die Solistin Hanns Kristina Schäfer setzte dem Ganzen die Krone auf. Sie spielte mit sagenhafter Virtuosität. Selbst in schnellen, fast aufgewühlten Passagen saß jeder Ton, sie erlaubte sich keine einzige Schwäche. Selbstbewusst und mit prägnantem Strich bot sie eine absolut bestechende Interpretation. Erstaunlich bescheiden nahm die junge Musikerin den rauschenden Beifall des großen Auditoriums entgegen.
Zuhörer überrascht
Neben Werken von Henry Purcell und Felix Mendelssohn-Bartholdy stand zum Abschluss die Serenade für Streichorchester C-Dur, op. 48 von Peter Iljitsch Tschaikowsky auf dem Programm. Lebhaft und farbenprächtig gab das Orchester das Werk von 1880 zum Besten. Die Musik wirkte sehr innig und zugleich elegant und zart.
Der Komponist hatte sich bei diesem Werk auch mehrerer Elemente der russischen Folklore bedient, und, wie im letzten Satz, zur Überraschung der Zuhörer einen beschwingten Salonwalzer eingebaut. In Langendorf markierte Tschaikowskys Serenade den ungewöhnlichen, aber hervorragenden Abschluss eines gelungenen Konzertabends.
Kölner Stadtanzeiger Euskirchen 30/09/03
Die Dresdner Bank hatte eine außergewöhnliche Idee. Mit welcher Art Veranstaltung kann man seine Kunden glücklich machen und außerdem das eigene Haus repräsentieren? Mit einem Konzert, dachte sich Werner Dressler, Mitglied der Geschäftsleitung. Und damit lag er goldrichtig. Rund 200 Gäste füllten am Konzertabend as Foyer der Niederlassung an der Stresemannstraße. Zu sehen und hören gab es das Landesjugendkammerorchester Nordrhein-Westfalen unter der Leitung des portugiesischen Dirigenten Fernando Eldoro. Das Orchester ist ein Förderungsprojekt des Ministeriums für Stadtentwicklung, Kultur und Sport NRW. Gespielt wurde ein bunter Blumenstrauß verschiedener Epochen mit Werken aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne. Ein Genuss für Augen und Ohren war außerdem der Auftritt der Solistin Hanna Kristina Schäfer. (pas)
Neue Westfälische Zeitung vom 27./28. September 2003
Auslese beliebter Orchesterwerke
Von Uta Jostwerner
B i e l e f e l d (WB). Guten Freunden gibt man ein Küsschen ... – nun wirbt nicht gerade die Dresdner Bank mit diesem Slogan. Gleichwohl ließ es sich die Beraterbank nicht nehmen, ihren Kunden und Freunden bei einem Konzertabend mit dem Landesjugendkammerorchester NRW zu verwöhnen. Serviert wurde eine feine Konfekt-Auslese beliebter Orchesterwerke.
Nur ausnahmsweise wolle man an diesem Abend mal die Banknoten gegen Musiknoten eintauschen, scherzte Gastgeber Werner Dressler, Mitglied der Geschäftsleitung, als er die gut 200 geladenen Gäste in der „Konzerthalle“ der Bank begrüßte. „Unseren Gästen bieten wir ein hochkarätiges Musikprogramm und den jungen Leuten geben wir zugleich die Gelegenheit, Konzerterfahrung vor einem großen Publikum zu erlangen“, sagte Dressler.
Im Rahmen ihres kulturellen Engagements fördert die Beraterbank die talentierten Musiker bereits seit zwölf Jahren. Das Orchester besteht aus ehemaligen, begabten Mitgliedern des Landesjugendorchesters und kommt jährlich zwei bis drei Mal zu intensiven Arbeitsphasen zusammen, in deren Anschluss mehrere öffentliche Konzerte im In- und Ausland folgen. Erst kürzlich begab sich das Orchester auf eine Konzertreise durch Portugal, Heimatland von Fernando Eldoro, dem künstlerischen Leiter des Orchesters. Bei so zahlreichen Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren wächst ein Orchester natürlich zusammen. In Antonio Vivaldis „Sommer“ aus den „Vier Jahreszeiten“ präsentierte sich der Klangkörper dann nach der Pause als Einheit. So fanden die jungen Musiker und Musikerinnen hier bei aller solistischer und individueller Ausformung zu einem homogenen Klangbild aus einem Guss. Im Eingangs gespiegelten „Frühling“ wollte sich dieser Eindruck noch nicht ganz einstellen, trotz des technisch makellosen Spiels.
Bei Vivaldi schlug auch die Stunde von Hanna Kristina Schäfer. Die 22-jährige Konzertmeisterin präsentierte sich nicht nur als ausgezeichnete Stimmführerin mit blendendem Ton, sondern auch als Solistin von Format. Ihre Solokadenzen schäumten geradezu über vor geigerischem Charisma.
In ihrer überwiegenden Ausgewogenheit und Klangtransparenz wussten auch die weiten Werke zu gefallen: Samuel Barbers Adagio für Streicher, ein melancholisches Rührstück zwischen zart gewobenem Klangteppich und schrillem Schrei, Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonie Nr. 10, changierend zwischen Sentiment und Esprit, sowie Peter Tschaikowskys Serenade für Streicherorchester in C-Dur.
Westfalen-Blatt Nr. 224 vom 26.09.2003
Konzert mit jungem Kammerorchester
Von Konstanze Führlbeck
Einen bunten Streifzug durch Barock und Romantik präsentierte das Landesjugendkammerorchester NRW unter Leitung von Fernando Eldoro am Dienstag Abend im Glashaus.
Mit der Ouvertüre zu Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“ entführten die jungen Musiker mit klarem, fast durchsichtig-schwebenden Streicherklang ihr Publikum zunächst in die Welt des höfischen Barock. Subtile Klangtransparenz und klar akzentuierte Kontraste im Tempo und in der barocktypischen Terrassendynamik mit ihren echoähnlichen Effekten kennzeichneten die Interpretation von Antonio Vivaldis „Concerto Nr. 1 E-Dur aus seinem bekannten Konzertzyklus „Die Jahreszeiten“. Im Alternieren von Solo- und Tuttipassagen ziselierten die jungen Künstler unter dem differenzierten Dirigat von Fernando Eldoro tonmalerische Passagen, die an munteres Vogelgezwitscher im Frühling erinnerten, ebenso stilsicher heraus wie dramatisch-erregte Akzente vor dem Hintergrund einer silbrig-schwebenden Klangfläche der Violinen.
Auch im Concerto Nr. 2 g-Moll hob Dirigent Fernando Eldoro Kontraste hervor und verlieh hellen, transparenten Klängen Kontur.
Bemerkenswert waren die technische Sicherheit und Eleganz, die das Spiel der jungen Solistin Hanna Christina Schäfer auszeichneten. Den zweiten Satz prägten fallende Seufzermotive vor dem Hintergrund grollender Tremoli der Celli.
Mit klaren Phrasierungen und weichen Legati gestalteten die jungen Künstler das elegische, romantisch-liedhafte Thema im ersten Satz von Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichersinfonie Nr. 10 h-Moll. Auch dem kontrastierenden dramatisch-erregten zweiten Thema zeigten sie sich spieltechnisch wie interpretatorisch gewachsen.
Die Auseinandersetzung des russischen Romantikers Peter Tschaikowsky mit Traditionen der europäischen Klassik kam in seiner Serenade für Streicherorchester C-Dur zum Ausdruck. Beschwingt vorgetragene Walzerrhythmen wechselten sich mit elegischen, volkstümlichen Melodien ab, denen die Celli eine unverwechselbare Klangfarbe verliehen, bevor das Werk in einem furiosen folkloristischen Finale gipfelte – stilsicher, technisch perfekt.
aus der WAZ - 15.09.2003 / Lokalausgabe / Herten
Aachener Zeitung vom 07. September 2003
Goch/Shanghai. Seit 30 Jahren unterhalten die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen.
Zur Feier dieses Jubiläums hat die KammerPhilharmonie NRW (JKPh) eine Konzertreise durch China unternommen.
In sieben Konzerten begeisterte es rund 10 000 Zuhörer im Reich der Mitte.
Dabei sind die 45 jungen Musiker, hochbegabte Studenten zwischen 18 und 25 Jahren, nicht nur in den Metropolen Beijing und
Shanghai aufgetreten, sondern auch in der Provinz aufgetreten: In der südchinesischen Provinzhauptstadt Nanning (4 Millionen
Einwohner) waren sie das erste europäische Ensemble und im kleineren Liu-zhou (1,5 Millionen Einwohner) sogar das erste
Symphonieorchester überhaupt.
Gut drei Jahrzehnte nach der Kulturrevolution, die China eine Abschottung gegen alles Fremde gebracht hatte, war überall der große
Wunsch zu spüren, möglichst viel über westliche Kultur und das "Mutterland der Musik" - Deutschland - zu erfahren.
Mit Beethovens 7. Sinfonie und dem Violinkonzert von Mendelssohn hatte das Orchester zwei in China bekannte und beliebte
Werke im Gepäck.
Die junge, in Düsseldorf ausgebildete Geigerin Karina Buschinger und das von dem Litauer Modestas Pitrenas (28) geleitete JKPh
wurden in allen Konzerten begeistert gefeiert.
Ganz entgegen jeder chinesischen Zurückhaltung gab es regelmäßig Standing Ovations. Zum Tourneeabschluss haben die Musiker
ihrem Dirigenten eine chinesische Kniegeige, Er-Hu, geschenkt.
Jetzt ist eine CD beim Förderkreis Landesjugendorchester erhältlich (02823/973210), die der WDR mit dem Tourneeprogramm der
jungen Musiker produziert hat.
Von Christian Schruff
Aachener-Zeitung, 30. Dezember 2002
Zwei Wochen lang reiste die KammerPhilharmonie Nordrhein-Westfalen (JKPh NRW) in diesem November durch China und gab sieben Konzerte. Peking, Kanton, Nanning, Liuzhou, Wuhan, Hangzhou und Shanghai waren die Stationen, Tausende von Kilometern waren die 43 angehenden Berufsmusiker und ihr Leitungsteam unterwegs, mit dem Flugzeug, mit der Eisenbahn in drei langen Nachtfahrten und dem Bus, geleitet durch die umsichtige Reisebetreuung der deutsch-chinesischen Agentur SINIKA. Für eine Gruppe von zwölf Schlachtenbummlern, unter ihnen mitfühlende und reiselustige Eltern und Freunde, hatte die Tourneeleitung eine touristische Begleitreise angeboten. Gisela Schmoeckel erlebte die Tournee in der fremden, faszinierenden Welt Chinas."Sie sehen so komisch aus!"
Die junge Pekinger Reiseführerin muss sich immer wieder unterbrechen, um fröhlich und gut gelaunt über unsere Gruppe zu lachen. Diese sitzt mehr oder weniger ausgeschlafen nach 12stündigem nächtlichem Nonstop-Flug von Frankfurt nach Peking über Sibirien und die Wüste Gobi vor ihr im Bus und wundert sich. "Sie sind so komisch!" erklärt Frau Li, noch nie habe sie junge Europäer geführt, nur immer ältere Reisegruppen. Wir, ihr junges, mit nur wenigen Senioren gemischtes Publikum freuen uns über die unverkrampfte Fröhlichkeit, die uns entgegenstrahlt. Beim Spaziergang durch die märchenhafte Welt der Verbotenen Stadt wird unsere Gruppe zur bestaunten und begrüßten Attraktion der vielen chinesischen Touristen! Die Sympathie bilden wir uns nicht ein, freundliches Entgegenkommen ist zu spüren. Der Platz des Himmlischen Friedens mit seinen beängstigend monumentalen Dimensionen ist für den 16. Parteitag vorbereitet. Bäume und Blumenrabatten an seinen Rändern machen ihn zu einer festlichen Parkanlage, durch die viele Chinesen abends flanieren. Wie Bühnenlicht verstärken farbige Scheinwerfer das Grün der Bäume, die leuchtenden Chrysanthemenfarben der Blumen zu künstlicher, intensiver Farbigkeit. Kitschig oder schön? Illuminationen verwandeln auch in den anderen Städten, in die wir kommen, die Natur, Gebäude und Schiffe. Geisterhaft, irisierend blau leuchten die Restaurant-Boote auf dem Perlfluss in Kanton, blau spiegeln sich nachts die Konturen der hohen Pagode Baochu Ta im berühmten West-See von Hangzhou, dem Reiseparadies am Schluss der Tournee. Pekings Hochhaustürme leuchten nachts in den dunklen Himmel, die Schönheit von Shanghais Wolkenkratzern erstrahlt in ihrer Illuminierung und elektronisch gesteuerte Dauerfeuerwerke versprühen magisches Licht aus den Laternen vor dem Theater in Liuzhou im äußersten Südwesten. Die chinesischen Licht-Spiele stellen alle Weihnachtsbeleuchtungen unserer deutschen Innenstädte in den Schatten.
Noch vor unserer Ankunft am schön gelegenen Hotel in einer Wiesen- und Buschlandschaft am Nordrand von Peking ist unser Abendessen im Restaurant des Historischen Museums in Peking gedeckt. Da greifen die meisten schon zum Stäbchen, um vorsichtig die Köstlichkeiten von den Platten auf der großen kreisenden Glasscheibe in der Tischmitte auf die Teller zu bugsieren. Anschließend verheißt der kurze Bummel durch den Museumsshop einen vielversprechenden ersten Einblick in chinesisches Kunstgewerbe.
Am nächsten Morgen, noch nicht 24 Stunden in China, geht es mit dem Bus zum Fuß der Chinesischen Mauer bei Badaling. Gute zwei Stunden klettern Junge und Alte die vielen unregelmäßigen Stufen hinauf bis zum höchsten Aussichtspunkt und spüren zwei Tage später den Muskelkater im tropischen Kanton, beim Anblick der Kolonialhäuser und Mimosenalleen.
Die Konzerte
Lampenfieber spürt abends in der 2.200 Plätze fassenden, ausverkauften Beijing University Hall auch die Begleitgruppe beim ersten Konzert der Tournee. Aufmerksam und konzentriert folgt das hauptsächlich studentische Publikum der Musik. Einige summen in Beethovens Siebter Sinfonie mit, freudige Überraschung löst das Stück "Yao" von Liu Tieshan und Mao Yuan im Publikum aus, eine Komposition über den bekannten chinesischen Volkstanz und die Bearbeitung des chinesischen Liedes "Jasmin" als Zugabe, die Eberhard Schallenberg, ehemaliges Mitglied des Landesjugendorchesters, schon für die im Jahr 2000 durchgeführte Tournee des Landesjugendorchesters schuf.
Das JKPH bereitete sich in mehreren Probephasen und Konzerten im Laufe dieses Jahres auf die China-Tournee vor. Auf dem Programm stehen Edward Elgars Serenade für Streicher in e-moll, op. 20, Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester e-moll, op. 64, Mozarts Ouvertüre zu Don Giovanni und Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92. Schon im Pekinger, später noch deutlicher in den folgenden Konzerten war die zunehmende Konzentration des Publikums im zweiten, sanft schwingenden Satz aus Elgars Serenade zu spüren. SINIKA-General Manager Dr. Peter Wiedehage hatte vorgewarnt: In China haben europäische Konzerte längst nicht die feierliche Atmosphäre wie in Deutschland, sondern eher den Charakter von unterhaltsamen Shows, die man jederzeit verlassen kann, in denen das Handy nicht abgestellt wird, die auch als Familientreffen mit Picnic-Charakter ablaufen. Aber die Musik tat das Ihre: Spätestens mit der in artistischer und musikantischer Feinnervigkeit gespielten Kadenz aus Mendelssohns Violinkonzert durch die junge, charmante Solistin Karina Buschinger verringerte sich das unruhige Grundgeräusch in den meist voll besetzten Sälen, im zweiten Konzertteil ergriffen die weiten, genau aufgebauten Spannungsbögen von Beethovens Siebter auch die klassik-ungewohnten Chinesen. Überraschend wirkte auch der Besuch aller sieben Konzerte auf die Begleitgruppe. Von Mal zu Mal war man gespannter, immer tiefer in die Musik eindringend, immer intensiver zuhörend. So erlebte man auch das starke Zusammenwachsen der Musiker mit, die trotz des immer gleichen Programms jedesmal neu, frisch, direkt und in deutlicher musikantischer und expressiver Steigerung spielten. Ihr mit seinen 29 Jahren fast gleichaltrige Dirigent Modestas Pitrènas aus Litauen gab dem Orchester leuchtende Form und furiose, mitreißende Tutti, die vor allem in den Zugaben die Sympathie und Begeisterung zwischen Musikern und Publikum überschwappen ließen. Überrascht war auch Solistin Karina Buschinger, dass sich ihre Skepsis nicht bestätigte: "Ich war gespannt, ob ich jedesmal die neue Spannung und Intensität herstellen könnte" sagte sie. Für sie, die schon mit vielen Orchestern und Ensembles gespielt und eine Tournee in Litauen mit kammermusikalischem Repertoire durchgeführt hat, war diese Erprobung unter ungewohnten Strapazen wie auch den Orchestermitgliedern eine wichtige Erfahrung.
"Solch eine Tournee bieten wir als berufsvorbereitende Förderung künftigen Berufsmusikern an" erklärt Hans Josef Menke, Vorsitzender des "Trägerverein Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen e.V.". Als Förderprojekt des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW wurde das JKPH 1974 von Professor Emil Platen und ihm gegründet, um hochbegabten, ehemaligen Mitgliedern des seit 1969 bestehenden Landesjugendorchesters eine Trainingsmöglichkeit für die Anforderungen zu geben, die Orchesterspiel und Tourneebetrieb an Professionelle stellen.
Das Orchester der 19 bis 25jährigen Hochschulstudenten kommt jährlich zu zwei bis drei Arbeitsphasen zusammen, an die sich öffentliche Konzerte und Gastspielreisen ins Ausland anschließen. Im nächsten Jahr ist eine Begleittournee zum Besuch des Bundespräsidenten Johannes Rau in Portugal geplant. Hans Josef Menke erhielt für seine mehr als 34jährige Vorstandstätigkeit im Trägerverein den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis der Rheinischen Sparkassenstiftung für das Landesjugendorchester. "Damals, Ende der 60er Jahre gab es für herausragende junge Musiker kaum Gelegenheiten, die Freude und Arbeit des Orchesterspiels kennenzulernen" erinnert sich Hans Josef Menke, der mit dem übrigen Leitungsteam die China-Tournee begleitete.
Die Reihe der Chinatourneen nordrheinwestfälischer Jugendorchester eröffnete vor sechs Jahren eine Reise des Landesjugendjazzorchesters auf Initiative der Deutschen Botschaft in Peking. Die Reisen des Jugendblasorchesters, des Landesjugendchors und des Landesjugendorchesters folgten. Durchführende Agentur ist SINIKA, Culture & Business Development GmbH in Düsseldorf, die der Sinologe und Kunsthistoriker Dr. Peter Wiedehage mit Frau Zou Ying gründete, die in China ausländische Reisende betreute. Dr. Wiedehage war Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ostasiatischen Museums in Köln und Kurator einer Ausstellung von archäologischen Funden aus China in der Essener Villa Hügel.
Heute bieten Zou Ying und Dr. Peter Wiedehage mit der Firma SINIKA das gesamte Management von Kultur- und Konzerttourneen an, "alles verantwortlich aus einer Hand" nach vertraglich vorgegebenen Aufträgen durch Chinesische Behörden und deutsche Veranstalter. Dazu gehören mittlerweile nicht nur die öffentlich subventionierten Jugendmusik-Institutionen, sondern auch Chöre wie der Kölner Männergesangverein. "Nur die eigenverantwortliche Durchführung garantiert das Zustandekommen" meint Peter Wiedehage, der die diesjährige Chinareise des von Anfang bis Ende persönlich begleitete und sich gemeinsam mit Zou Ying, deren Schwester Zou Chun Ying und der Praktikantin Chen Tong um das Wohl der großen Gruppe kümmerte. Während das Orchester in zusätzlichen Liegewagen auf drei nächtlichen Zugfahrten insgesamt an die 4000 Kilometer zurücklegte, transportierte ein LKW-Unternehmen Instrumente und Koffer, im weiten China eine Meisterleistung, schränken doch Stadt-Durchfahrverbote und immer neue Bestimmungen die Logistik stark ein. Neuland betrat diesmal auch die Tourneeleitung selbst mit den Konzerten in Nanning, der aufblühenden, schönen Hauptstadt der autonomen Region Guangxi, 70 km von der laotischen Grenze entfernt, und in Liuzhou, wo die Besucher des Konzerts im alten Theater der "kleinen" Stadt mit 600.000 Einwohnern zum ersten Mal ein Sinfoniekonzert erlebten. Kein Gepäckstück ging verloren, immer waren Kontrabässe, Pauken und Celli pünktlich am Konzertort, selbst für die Manager von SINIKA schien es ein Wunder, hatte doch gerade vorher ein deutsches Orchester seine Tournee abbrechen müssen, weil die Instrumente nicht am Konzertort angekommen waren.
Politik und Kultur
"In China ist Kulturpolitik Sache des Auswärtigen Ministeriums" erzählt Peter Wiedehage. Er wünscht sich mehr Einsicht bei deutschen Politikern, politische Begegnungen und Entwicklungen durch kulturelle Anlässe und Veranstaltungen voranzutreiben. "Deutschland ist in China immer noch das Land der Musik und der Philosophen. Das hilft uns. Über die Musik und über den kulturellen Transfer kann in China und in Deutschland viel gegenseitiges Verständnis wachsen."
Die deutschen Musiker lernten im Museum der Provinz Hubei in der 9 Millionen Einwohner zählenden Stadt Wuhan am Yangtsekiang Bronzeglocken, Steinglockenspiel, Flöten und Harfen aus einem 1978 gefundenen Grab eines Adligen kennen, der 433 vor Christus starb und sein gesamtes Orchester mit Musikern und Instrumenten mit auf die Reise ins Jenseits nahm. Auf Nachbauten wird heute in Wuhan und anderen Regionen gespielt, vor allem die Musik der chinesischen zweisaitigen Kniegeige, mit ihren für europäische Ohren gänzlich ungewohnten "Jaultönen". Die erste, gerade gegründete Musikbibliothek Chinas, die "Charming Music Library" gehörte zu den Sponsoren des Konzerts in Hangzhou. Bei einer Einladung in die Bibliothek stellten zwei Solistinnen die hohe Kunstfertigkeit der Musik auf der chinesischen Zither und der Kniegeige vor. Eine Kniegeige schenkten die Orchestermitglieder ihrem Dirigenten Modestas Pitrènas zum Abschied, der mit ihnen, so wie auch das chinesische und deutsche Leitungsteam und meistens Karina Buschinger, die Nachtfahrten im chinesischen Großraumliegewagen mit dreigeschossigen Bettgestellen teilte, während die touristische Begleitgruppe in den Vierbettabteilen der Schlafwagen auf bestickten spitzengesäumten Kissen schlummern durfte.
Viel zu sehen bekamen alle, Begleitgruppe und Orchestermitglieder. Vor allem beeindruckten die vitalen, schnellen Reaktionen chinesischer Autofahrer, mit den chaotisch anmutenden Verkehrsverhältnissen umzugehen. Selbst dichteste Knäuel von Bussen, Taxis, Autos, Motorrollern, stets unbeleuchteten Fahrrädern und Fußgängern lösten sich ohne Stau. Menschendichte, Verkehr, moderne, ansprechende Hochhausarchitekturen in Chinas Millionen-Städten kontrastieren mit der einsamen Weite der gleichförmigen Landschaften, die vom Zugfenster aus zu erblicken waren. Höhepunkte für alle war die fünfstündige Bootsfahrt auf dem berühmten Li-Fluss bei Guilin, durch die auf der Welt einzigartigen spitzen Karstberge, der Ausflug zu einer Teeplantage, der Besuch der von ca. 400 Läden gesäumte Seidenstrasse und die verträumten Gärten am Ufer des berühmten Westsees in Hangzhou. Nach dem glücklichen Abschiedskonzert im schönen, intimen Lyceum-Theater von Shanghai am 16. Tag der Reise folgte der 15stündige Rückflug am Tag, nonstop nach Frankfurt, wo ein Bus alle wohlbehalten nach Köln zurückbrachte.
Ein besonderer Dank gebührt Isabel Fedrizzi, Referentin im JKPH-Sekretariat, die Tag und Nacht für alle erreichbar, unermüdliche Ansprechpartnerin für alle Nöte und Sorgen war. Die Hüterin der Pässe, Medikamente und Hotelzimmerlisten verwöhnte uns allzeit mit ihrem strahlenden Lächeln! Eine CD-Einspielung des China-Tournee-Programms ist im Handel erhältlich.
Bestell-Nummer:
Adressen und Informationen:
Trägerverein Landesjugendorchester NRW e.V.,
Postfach 10 04
31, 47564 Goch, im Internet www.ljo-nrw.de
SINIKA Culture & Business Development GmbH,
Wildenbruchstr. 39 E, 40545 Düsseldorf,
Tel. 0049-211-1715301,
FAX 0049-211-1715302, www.sinika.de
Als Bildunterschriften oder im Kasten: Die junge Geigerin Karina Buschinger erhielt ersten Unterricht mit sechs Jahren durch ihre Mutter Violeta Buschinger. 1996 wurde sie in die Meisterklasse von Professor Rosa Fain an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf aufgenommen, seit Herbst 2001 studiert sie bei Professor Kussmaul an der Musikhochschule Freiburg. Sie erhielt viele Auszeichnungen bei internationalen Violinwettbewerben und wurde zu Konzerten und Soloabenden (Festivals) in Rumänien, Spanien, Polen, Finnland, Estland, Kanada und in zahlreichen deutschen Städten eingeladen. Sie konzertierte mit der Philharmonia Hungarica, RSO Bukarest, Nürnberger Symphonikern, Münchener Kammerorchester und spielte für den deutschen und ausländischen Rundfunk Violinkonzerte, Sonaten und andere Werke (auch Live-Mitschnitte) ein. Sie ist Stipendiatin des PE-Förderkreises in Mannheim, des Richard-Wagner-Verbandes, der Stiftung Villa Musica in Mainz und Mitglied des Gustav-Mahler-Jugendsinfonieorchesters (stellvertr. Konzertmeisterin).
Der 1974 geborene Dirigent Modestas Pitrènas schloss sein Studium im Chor- und Orchesterdirigieren am MOZARTEUM in Salzburg “mit Auszeichnung” ab. (Professoren W. Haggen-Groll und K. Kamper). Seit 1997 leitet er das Orchester der Litauischen Musikakademie, Abt. Prof. J. Domarkas. Er war erster Preisträger 1991 beim Wettbewerb für junge Dirigenten, 1992 zweiter beim Internationalen Juozas-Naujalis-Wettbewerb für Chordirigenten in Vilnius. 1997 erhielt er beim Internationalen Dirigierwettbewerb in Riga zwei Sonderauszeichnungen. Er besuchte Meisterkurse von Frieder Bernius, Simon Halsey und Olga Gréczy. Mit dem von ihm 1990 gegründeten Kammerchor Psalmos erhielt er vor allem durch die Interpretation Neuer Musik bei europäischen Chormusikveranstaltungen wiederholt Auszeichnungen. Er konzertiert regelmäßig mit den bedeutendsten Orchestern Litauens. Konzerttournee führten ihn nach Frankreich, Ungarn, Deutschland, Italien, Österreich und Dänemark, zum New Yorker Lincoln Center und zum Atlanta Festival. Seit mehren Jahren arbeitet er mit dem Landesjugendorchester NRW zusammen, mit der Junge KammerPhilharmonie machte er 2001 eine Tournee durch Litauen und nun durch China.
Gisela Schmoeckel
Landesjugendchor und -KammerPhilharmonie konzentrieren in Alsdorf
"Aus dem Dunkel zum Licht" war das Programm des Landesjugendchores und der Junge KammerPhilharmonie NRW überschrieben. Das Konzert am Freitagabend in der Alsdorfer Stadthalle machte den Konzertauftakt von drei Auftritten innerhalb des "Rheinischen Musikfestes" und gab mit drei sehr unterschiedlichen Werken einen guten Einblick in die Arbeit der jungen Musizierenden.
Alsdorf. Zum Landesjugendchor NRW gehören etwa 60 Mitglieder aus etwa 25 Städten im Alter zwischen 18 und 27 Jahren. Die Probenarbeit und Konzerte finden an sechs bis sieben Wochenenden im Jahr statt. Ein breite Spektrum an Literatur steht auf ihrem Arbeitsprogramm. Den Chor leiten Christiane Zywietz-Godland, die ebenso den Solo-Sopran-Part sang, und Hermann Godland.
Der Junge KammerPhilharmonie gehören etwa 35 hoch begabte Instrumentalisten an, ehemalige Mitglieder des Landes Jugend Orchesters. Alle im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. In Arbeitsphasen werden die Werke für die Konzerte einstudiert, verschiedene Dirigenten übernehmen dann die Probenarbeit. Das Konzert begann mit Georg Friedrich Händels Dixit Dominus .
Das Werk des 22-jährigen Händel zeigt neben jugendlichem Ehrgeiz in vielen virtuosen Passagen die Einflüsse seiner Italienreise. Hermann Godland führte Chor und Orchester sicher, leider vermisste der Zuhörer dabei die Frische und Impulsivität des Chores. Auch dem reinen Streichorchester fehlte hier ein wenig Lebendigkeit. Die erste Sopranarie wurde von dem Orgelpositiv und dem Solocello klar begleitet. Die dynamischen Steigerungen gestalteten Chor und Orchester mühelos. Die Fugen führten Chor und Orchester exakt aus, die beiden Sopransolisten Mechtild Georg und Christiane Zywietz-Godland sangen ihre Solopassagen ausdrucksvoll, im Duett passten beide Stimmen gut zueinander. "De profundis", eine Psalmvertonung von Krzysztof Penderecki (geb. 1933) bildete einen Höhepunkt im Konzertprogramm. Unter Leitung der Chorleiterin gestaltete der Chor rein Vokal, aufgeteilt in drei Chorblöcke, diese kurze, aber eindrucksvolle Werk. Penderecki verwendete hier traditionelle Kompositionstechniken sowie gregorianische Wendungen. Der Chor wurde hie rhythmisch-musikalisch gefordert, Einsätze wurden prägnant übernommen. In Gabriel Faurés "Requiem" zeigten Solisten, Chor und Orchester dann eine begeisternde Leistung. Das Orchester wurde nun durch Bläser, Harfe, Orgel und Pauken verstärkt. Dieses impressionistische Werk begeisterte in Harmonik, Melodik und beeindruckenden Klangfärbungen. Mechtild Georg (Sopran) und Klaus Häger (Bariton) verstanden es, ihre Solopartien schlicht zu musizieren. Chor und Orchester schafften es, einen engelsgleichen Klangcharakter zu entwickeln. Besonders das ausdrucksstarke Dies irae riss in seiner kraftvoll-energischen Gestaltung mit. Hermann Godland führte in diesem Werk Chor, Solisten und Orchester erheblich freier als im ersten Programmteil.
Langanhaltender Applaus belohnte die jungen Musiker, Solisten und ihre Leiter.
Aachener-Zeitung Montag, 13. Mai 2002
Der Dirigent zeigte Mut
Von Nachrichten-Mitarbeiter Pedro Obiera
Alsdorf. "Aus dem Dunkel zum Licht" - unter diesem Motto stand ein Konzert des Landes-Jugend-Chors und des Landes-Jugend-Orchesters in der Stadthalle Alsdorf, das für manche Überraschung sorgte.
Das betrifft weniger das gewohnt hohe musikalische Niveau, sondern vielmehr die ungewöhnliche Programmfolge. Totenmessen gehören gewiss nicht zu den bevorzugten Werken von Jugendchören. Dass den jungen Leuten unter der Leitung des in Aachen bestens bekannten Hermann Godland eine beeindruckende Aufführung von Gabriel Faurés "Requiem" gelang, belohnte Godlands Risikobereitschaft.
Das ohnehin unpathetisch schlanke Klangbild des abgeklärte Werkes wirkte noch heller und frischer, was nicht nur dem licht verklärten Schlussatz zugute kam. Auch die entschlackte Kammerbesetzung des Landes-Jugend-Orchsters unterstrich die tröstliche Botschaft des Werks, so dass die angemessen ernste Interpretation ohne fetten Trauerrand ihre Wirkung nicht verfehlte.
Der etwa 60-köpfige Chor präsentierte sich in bester Verfassung, was Leuchtkraft, Intonationsstabilität, Textverständlichkeit und Modulationsfähigkeit anging, unterstützt von einem Orchester, das die raffinierten Klangfarben des gedeckt instrumentierten Faurés-Werks vorzüglich umsetzte. Mechtild Georg (Mezzosopran) und Klaus Häger (Bariton) ergänzten den erfreulichen Eindruck.
Aachener Nachrichten Montag, 13.Mai 2002
Euregio 27.4.-1.6.2002
A-cappella-Qualitäten demonstrierte der Chor zuvor mit Krszysztof Pendereckis Vertonung des Klage-Psalms "De Profundis" für drei vierstimmige Chöre, sicher einstudiert von Christiane Zywietz-Godland, die den Landes-Jugend-Chor seit 1989 zusammen mit ihrem Mann leitet. Händels ausladendes "Dixit Dominus" zum Auftakt des Abends hätte noch ein paar Proben vertragen können, was sich vor allem im nicht immer genauen Zusammenspiel von Chor und Orchester niederschlug. Auch zeigte sich angesichts der recht neutralen stilistischen Haltung von Hermann Godland, dass gute Detailarbeit heute nicht mehr für eine packende Interpretation eines barocken Großwerks ausreicht.
Barockmusik am Couven -Altar
Am Sonntag war Eupen zum zweiten Mal Veranstaltungsort für das Rheinische Musikfest. Das Beste, was Nordrhein-Westfalen an Nachwuchs im Bereich Kammermusik und Chor zu bieten hat, fand sich in der St. Nikolaus-Kirche zu einem i anderthalbstündigen Konzert ein.
Ein beeindruckendes Bild boten die rund 80 Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger vor dem prächtigen Couven-Altar.
Auch musikalisch ging es gleich in die Zeit des Barock mit Georg Friedrich Händels "Dixit Dominus". Sicher und professionell das Auftreten von Chor und Orchester, gepaart mit jugendlichem Schwung, was dem 1707 vollendeten Musikwerk einen neuen Ausdruck verlieh.
Einen Eindruck von der Furcht und von den Qualen der Menschen angesichts des Jüngsten Gerichts vermittelte vor allem der Chor. Distanzierte Zurückhaltung schreibt hier die Partitur den Streichern vor. Erst als es darum ging, den Zorn Gottes zu illustrieren, zeigten die Instrumentalisten ihr Können.
Sogleich ging es musikalisch vom Barock in die Neuzeit und zu einer neuen Herausforderung für den Chor. Mit "De profundis", Psalm 129, des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki brachte der Landesjugendchor NRW ein ungewohntes Klangerlebnis in den Kirchenraum. In drei Klangkörper hatte sich der Chor aufgeteilt, am Altar und in den beiden Seitenflügeln. Solo-Sopran Christiane Zywietz-Godland übernahm den Taktstock.
Im populären "Requiem op. 48" von Gabriel Fauré, dem wohl berühmtesten Werk des französischen Impressionisten, glänzten vor allem die drei Solisten Mechtild Georg (Mezosopran), Christiane Zywietz (Sopran) und Klaus Häger (Bariton). Entrückt lauschten die Zuhörer den gefühlvoll vorgetragenen Soli in "Pi Jesu" und "Libers me". Begeisterter Applaus der rund 200 Zuhörer in der Pfarrerkirche St. Nikolaus war dem Landesjugendchor und dem Landesjudendkammerorchester NRW unter Leitung von Hermann Godland gewiss.
Für die jungen Künstler aus 25 Städten in Nordrhein-Westfalen ging mit dem Auftritt in Eupen ein Marathon durch die Euregio zu Ende. Am vergangenen Donnerstag waren im Kloster Rolduc Proben angesagt. Der erste Auftritt im Rahmen des Rheinischen Musikfestes stand am Freitag in Kerkrade an. Am Samstag ging es dann auch Alsdorf. Für die Nachwuchselite aus NRW war das Konzert "Aus dem Dunkel zum Licht" in Eupen der der erste Auftritt in Belgien. Nicht nur ungezügelte Musizierfreude sondern auch ein hohes Maß an Reife bescheinigten Eupener Konzertbesucher den beiden Ensembles. Zu den Gästen gehörten Minister Bernd Gentiges und der künstlerische Leiter des Rheinischen Musikfestes, Thomas Kipp. Auf weitere musikalische Glanzpunkte im Rahmen des Rheinischen Musikfestes darf das Eupener Publikum sich freuen. Insgesamt 123 Konzerte in neuen Städten an 35 Tagen stehen auf dem Programm. Neun Konzerte finden in Eupen statt.
Eupener Land Grenz-Echo Donnerstag, 16. Mai 2002
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